7 August 2013 - 16:51
Das Revolutionsoberhaupt zum Thema: Idealismus und Realismus

Ayatollah Khamenei trifft sich mehrmals im Jahr mit der jungen Generation. Sein jüngstes Treffen fand am 19. des diesjährigen gesegneten Monats Ramadan (am 28.7.) mit Studenten statt.

An dieser Zusammenkunft nahmen die Vertreter von Studentenvereinigen teil und legten zu Beginn ihre Standpunkte über die Angelegenheiten des Landes dar. Ajatollah hörte ihnen aufmerksam zu und machte sich Notizen. Nachdem die Studenten gesprochen hatten, begann er seine Ansprache, in der er auf  mehrere Punkte einging.

Ajatollah Khamenei  ist der Ansicht, dass die junge Generation am besten die Islamischen Ideale vorantreiben kann.

Er sagt , dass es ohne die körperlichen und geistigen Käfte und ohne die Dynamik und den Eifer der jungen Leute nicht möglich wäre an die hohen Ziele zu gelangen.

Die Islamische Revolution Irans hat in der Tat dank des Idealismus der iranischen Jugend gesiegt.

Imam Chomeini (r.h.) der Begründer der Islamischen Republik Iran hat auf Unterdrückung, Ungerechtigkeit und Verdorbenheit, welche die  arroganten Imperialisten im Land angerichtet hatten, aufmerksam gemacht  und die Würde und Stärke der Muslime unterstrichen. Daraufhin haben die jungen Revolutionäre mit ihrem Idealismus und mit ihrem effektiven Einsatz sich erheblich für die Abschaffung der Monarchie engagiert, die es seit 2500 Jahren im Iran gab.

Ajatollah Khamenei sagt über die junge Generation: „Es  ist keine leere Floskel, wenn ich die jungen Leute , insbesondere die Studenten bisher gelobt habe, sondern es ist völlig ernstgemeint. Ich bin davon überzeugt, dass die jungen Leute große Probleme lösen können.“

Die Wellen des Islamischen Erwachens in Ländern wie Ägypten, Tunesien, Libyen, Bahrain und Jemen sind dank junger idealistischer Menschen entstanden und haben die Diktaturen ins Schwanken gebracht. 

Die wachsame muslimische Jugend strebt nun in den Ländern, in denen es eine Revolution gab, nach hohen Zielen.

Ajatollah Khamenei ist der Überzeugung: „Bei der Erreichung der islamischen Ideale und ihrer Umsetzung tragen die jungen Leute eine große Verantwortung und besitzen außerdem ein großes Leistungspotential. Es ist allerdings auch wichtig, dass sie den Schauplatz der Aktivitäten richitg kennen und definieren und auf kluge Weise auf die Ideale zustreben.“  

 

Aus der Sicht Ajatollah Khameneis sind die Ideale der Islamischen Staatsordnung  die Ideale des Islams. Sie bilden ein Ganzes aber werden unterschiedlich eingestuft. Einige Ideale sind Haupt- und Endziele, andere sind kurzfristig, zählen aber trotzdem zu den hohen Zielen. Nach Ansicht des Oberhauptes sollten sämtliche Ideale angestrebt werden.

Ajatollah Khamenei sagte in seiner Ansprache zu den Studenten weiter , zu den wichtigsten erstgradigen Idealen dieser Ordnung zähle eine Gesellschaft, in der Gerechtigkeit und Fortschritt und Spiritualität herrschen  und erklärte: „Eine gerechte Gesellschaft ist eine Gesellschaft, in der sowohl die  Verantwortungsträger der Regierung gerecht vorgehen als auch die Bürger einander gerecht behandeln. Zugleich  muss diese Gesellschaft sich auf dem Gebiet der Wissenschaft, Politik und der Zivilisation weiterentwickeln.“

Ajatollah Khamenei hob hervor, dass der Islam eine Gesellschaft, die rückständig ist, nicht akzeptiert, sondern ein wichtiger Teil der Islamischen Gebote geradezu danach fordert, dass die Gesellschaft sich weiterentwickelt.

In den Augen Ajatollah Khameneis ist es aber auch ein wichtiges Ziel des Islams, dass eine Gesellschaft Spiritualität besitzt. Er bezeichnete eine spirituelle Gesellschaft als Gesellschaft, in der  das Bedürfnis nach  Spiritualität gestillt wurde. Diese Spiritualität hat zur Folge, dass der Mensch nicht niedrigen materiellen und alltäglichen Zielen nachgeht sondern an hohe Ziele denkt . Die  guten Beziehungen zwischen den Menschen sollen ebenso wie die Beziehung der Menschen zu Gott gewahrt bleiben. Der Islam hat gemäß Ajatollah Khamenei eine solche Spiritualität in der Gesellschaft im Auge.

Ajatollah Khamenei nannte bei seinem Treffen mit Studenten auch weitere hohe Ziele wie den Aufbau  einer Wirtschaft des Widerstandes, eine heile Gesellschaft, eine überlegene Industrie und Landwirtschaft, Handel in Begleitung von Aufschwung, eine fortgeschrittene Wissenschaft sowie kulturellen und politischen Einfluss auf internationaler Ebene.

Die hohen Ziele des Irans bestehen also darin, eine Gesellschaft zu erreichen, die an Wissenschaft und Fortschritt, Gerechtigkeit, Spirtiualität und Freiheitlichkeit gelangt ist.  Für Ajatollah Khamenei ist das Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit und nach der Vervollkommnung ein Streben nach den Idealen, nach denen die Gott gegebene Natur des Menschen, die Fitra verlangt. Diese Neigungen im Menschen werden immer bestehen bleiben und nie alt. 

Deshalb wird auch eine Gesellschaft, die nach diesen hohen Zielen strebt, nie altern und morsch werden.

Ajatollah Khamenei bezeichnete die Summe der primären und sekundären Ideale als Ganzes und sagte, wenn jemand nach einem dieser Ziele strebt ist es als ob er sich für alle Ziele  eingesetzt hat.

Diejenigen, die sich für eine Wirtschaft des Widerstandes oder für die Verbreitung der revolutionären und islamischen Kultur in der Islamischen Welt einsetzen, haben sich für das Gesamtideal eingesetzt, ebenso wie jemand, der in der Politik und auf diplomatischer Ebene  oder  im Gesundheitswesen nach dem Optimum strebt.

Ajatollah Khamenei ist der Überzeugung, dass bei einem gemeinsamen Einsatz eine ideale Gesellschaft hervorgerufen werden und diese nicht nur für muslimische Gesellschaften sogar sogar für nicht-muslimische Länder zum Vorbild werden kann.

Es taucht jedoch die Frage auf, ob der Idealismus nicht vom Realismus entfernt ist? Kann man idealistisch und zugleich realistisch sein?

Ajatollah Khamenei sagte dazu:

„Hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Idealismus und Realität betone ich sowohl das Streben nach den Idealen als auch die Wahrnehmung der Realität.“

Er weiter:  „Ein  Streben nach den Idealen ohne Beachtung der Tatsachen, führt zu Träumerei und  irrealen Vorstellungen.“ 

 

Nach Ansicht von Ajatollah Khamenei muss ein Mensch, der nach Idealen strebt, nicht nur diese Ideale richtig identifizieren, sondern auch den Weg, der zu ihnen führt, kennen und er muss sich realistisch und organisiert auf die Ideale zubewegen. Der Führende  sagte: „Wenn der Mensch ohne den Weg zu kennen weiterstrebt, erreicht er Stellen, wo es kein Vor- und Zurück mehr gibt und er sich nur mit Mühe  aus der Situation retten kann.“ Man müsse also den Weg kennen, betonte er.

Das Revolutionsoberhaupt sagte in diesem Zusammenhang zu den Studenten, dass einige bei ihrem Nervenkrieg versuchen, Dinge als realistisch darzustellen, die in Wahrheit nicht exisitieren. Man müsse  daher  also auch zwischen der  Realität und dem, was versucht wird als Realität  zu suggerieren, unterscheiden. 

 

 

 

Ajatollah Khamenei  erklärte dazu : „ Es werden Gerüchte  verbreitet und Dinge gesagt, die nicht stimmen,  und wenn jemand nicht die Augen offen hält, fällt er einer Täuschung zum Opfer.“ Deshalb habe er immer die Wachsamkeit betont, fuhr er fort und sagte: „Ein Nutzen der Wachsamkeit und Erkenntnis liegt darin, dass der Mensch  die Wirklichkeit so erkennt, wie sie ist.“ 

 

Ajatollah Khamenei sagte: „Ein  aktiver Student, der Idealismus besitzt und ebenso die Realität wahrnimmt, wird unter keinen Umständen, weder bei erfreulichen Erfolgen noch bei bitteren Niederlagen, passiv werden, aufgeben  und in die Sackgasse geraten.“ Er fuhr fort: „Mal hat der Mensch Erfolg und mal nicht. Aber geht es denn im Kern darum!? Es gibt einige, die ihre Ideale aufgeben, wenn alles nach ihrem Wunsch verlaufen ist und sie den erwünschten Punkt erreicht haben. Aber das ist ein Fehler.  Der Koran lehrt uns ( in der Sure Asch Scharh, Vers 94, Vers 7):

`Wenn du nun entlastet bist, mühe dich eifrig`

Wenn also eine Arbeit erledigt und, eine Anstrengung abgeschlossen ist, sollst du  die nächste Aufgabe in Angriff nehmen.“

Ajatollah Khamenei sagte weiter, andere würden widerum , wenn sie ein Ziel anstreben und die Sache nicht nach Wunsch verläuft, resignieren und passiv werden. Auch das sei falsch, sagte er .

Er erklärte: „Für einen angemessenen, realistischen Idealismus gibt es keine Sackgasse. Wenn der Mensch die Realitäten beachtet, gibt es für ihn nichts, was nicht voraussehbar wäre.“