Es habe einen Aufstand der Gefangenen und einen Angriff von außen auf die Haftanstalt al-Kuifja gegeben, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte. Darauf sei den Häftlingen die Flucht gelungen. Spezialeinheiten seien nach dem Massenausbruch als Verstärkung angefordert worden. Sie hätten aber den Befehl erhalten, "nicht auf die Gefangenen zu schießen".
Der Großteil der Gefangenen sei wegen normaler Vergehen in der Haftanstalt
gewesen, einige seien Afrikaner aus anderen Ländern, sagte der Vertreter
der Sicherheitskräfte, der nicht namentlich genannt werden wollte.
"Aber einige der Häftlinge wurden wegen Vorwürfen im Zusammenhang
mit dem ehemaligen Regime von Muammar al-Gaddafi festgehalten."
Gaddafi war vor knapp zwei Jahren nach einem monatelangen Aufstand gestürzt
und getötet worden.
Libyens Regierungschef Ali Seidan bestätigte den Gefängnisausbruch. Ihm zufolge griffen Anrainer das Gefängnis an, weil sie die Haftanstalt nicht mehr in der Nähe ihrer Wohnungen wollten. Grenzposten und Sicherheitskräfte seien angewiesen worden, die Entflohenen wieder festzunehmen.
Der Gefängnis-Ausbruch fand vor dem Hintergrund von starken Spannungen nach der Ermordung eines politischen Aktivisten in Bengasi am Freitag statt. Am Samstag protestierten tausende gegen die Bluttat. Die Proteste richteten sich vor allem gegen die Muslimbruderschaft, die für das Attentat auf den Anwalt Abdessalem al-Mesmari verantwortlich gemacht wurde.