17 Juli 2011 - 19:30

Israel hat seit 2005 mehr als 800 minderjährige Palästinenser verurteilt. Tel Aviv.18.Juli 2011(Spiegel)- Die Jugendlichen seien allesamt wegen Steinewerfens vor ein Militärgericht gestellt worden, prangerten israelische Menschenrechtsaktivisten. Vielen wurde während der Haft der Kontakt zu ihren Eltern verboten.

Es sind erschreckende Fakten, die die israelische Menschenrechtsorganisation Betselem am Montag präsentiert hat. Von Anfang 2005 bis Ende 2010 wurden demnach mindestens 835 palästinensische Minderjährige verhaftet und vor Militärgerichtshöfen im besetzten Westjordanland angeklagt. Nur einer von ihnen sei freigesprochen worden, hieß es in dem Bericht. Der Rest sei für schuldig befunden worden. Im Detail waren von den Angeklagten 34 erst zwölf oder 13 Jahre alt. 255 der Minderjährigen waren im Alter von 14 bis 15 und 546 im Alter von 16 bis 17 Jahren.Die Militärrechtsprechung entspreche weder internationalem noch israelischem Gesetz. Sie gewähre Minderjährigen nur sehr wenige Rechte, wie etwa das Recht auf Trennung von erwachsenen Häftlingen, schrieb Betselem. Auch diese würden jedoch nicht immer eingehalten.30 palästinensische Jugendliche berichteten der Organisation von schrecklichen Erlebnissen: Israelische Soldaten hätten sie mitten in der Nacht festgenommen. Man habe ihren Eltern nicht erlaubt, sie zu begleiten. Etwa zwei Drittel von ihnen gaben an, man habe ihnen während des Verhörs Gewalt angetan. Es sei ihnen auch verboten worden, zur Toilette zu gehen sowie zu essen und zu trinken.In den meisten Fällen sei Haft als Strafe für die Jugendlichen gewählt worden, schrieb Betselem. In den Jahren 2005 bis 2010 seien 93 Prozent der Jugendlichen wegen Steinewerfens zu Haftstrafen verurteilt worden, die zwischen einigen Tagen bis zu 20 Monaten lang waren. Darunter 19 Kinder, die noch unter 14 Jahre alt waren. Nach israelischem Gesetz dürfen Kinder in diesem Alter gar nicht ins Gefängnis geschickt werden.Die meisten Jugendlichen wurden während ihrer Haft nicht von ihren Familien besucht. Als Sicherheitshäftlinge dürften sie auch nicht telefonieren, hieß es.