Die von den USA unterstützte Aggression Saudi Arabiens, gegen die Souveränität des Jemen, ist ein Schulbuchbeispiel wie lokale Konflikte internationalisiert werden - und die Lunte für regionale Konflikte und sogar globale Auseinandersetzungen werden.
DIE GESCHICHTE
Wie Libyen, ist der Jemen ein weiterer Staat des Mittleren Ostens, der in Wirklichkeit gar nicht existiert. Er besteht aus eigentlich mindestens zwei Staaten, vielleicht sogar drei: den südlichen Provinzen, die in erster Linie sunnitisch besiedelt sind, den nördlichen Stämmen, die sich zum größten Teil zur zaydischen Form des schiitischen Islam bekennen, und dem Gebiet, rund um Sa'na, der Hauptstadt, in der alle kulturellen, politischen und religiösen Fraktionen sich treffen.
Die Nord-Süd-Teilung geht zurück auf die britische Kolonisierung im 19. Jahrhundert, als im Jahr 1839 die Briten den Hafen von Aden besetzten, und die Stadt zu einer Untereinheit des Indischen Vizekönigs machten. Aden wurde nach der Eröffnung des Suez-Kanals ein wichtiges Handelszentrum, und die Briten drangen von hier aus vor, erweiterten ihren Einfluss in ein Gebiet, dessen Herrschaft sich bis dahin fortwährend das Osmanischen Großreich und lokale Imams geteilt hatten, darunter auch die unverwechselbaren Zaydis im Norden. Im Jahr 1911 erhoben sich die Zaydis gegen die Briten und ihre örtlichen Kollaborateure, zerstörten die Nord-Süd-Teilung, die durch das Außenministerium Groß Britanniens verhandelt worden war, und etablierten das Mutawakkilite Königreich des Jemen unter dem Imam Yahya. Yahyas Traum war es, die alte Qasamid Dynastie wieder aufleben zu lassen, die im siebzehnten Jahrhundert gegründet worden war. Ein "Großer Jemen" der sich bis in das Gebiet erstreckt, das heute von Saudi Arabien beansprucht wird, und im Süden den Bereich des kompletten heutigen modernen Jemens umfasst.
In den 1960er Jahren entwickelte die anti-koloniale Bewegung in der arabischen Welt, eine von Nasser geprägte Form des Sozialismus. Das manifestierte sich im Jemen, in einem Coup gegen den König, durch Offiziere, die dann, nach einem Bürgerkrieg mit drei beteiligten Parteien, in dem Monarchisten gegen Republikaner und Ultra-Linke kämpften, die Demokratische Republik Jemen (PDRY) im Süden gründeten, der dadurch de facto ein Teil des Sowjetischen Einflussbereichs wurde, und im Norden gründete sich die Arabische Republik Jemen.
Die beiden jemenitischen Länder lagen in ständigem Streit - aber auch anhaltende interne Konflikte waren zu verzeichnen. Was die religiösen, ideologischen und historischen Unterschiede reflektierte, die das Land seit Jahrhunderten heimgesucht hatte. Im Jahr 1990 jedoch, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, als keine sowjetische Unterstützung mehr verfügbar war, vereinbarten beide Länder eine Vereinigung. Jedoch war der Merger von Anfang an sehr verletzlich, und alte Unterschiede machten sich schnell bemerkbar.
Im Süden bildete sich eine sezessionistische Bewegung, ebenso wie bei den Zaydis im Norden (auch wenn diese sagten, sie wünschten lediglich Autonomie), und um das Ganze zu komplizieren, drang auch noch Al-Kaida in diese chaotische Gemengelage ein. Dies verschaffte der Zentralregierung in Sa'na die perfekte Ausrede, Intervention von Außen, zur Unterstützung der eigenen Interessen, anzufordern.
US-BERATER
Als die ersten US-Helfer und "Berater" in den Jemen strömten, nutzte dies die Zentralregierung, um ihre de facto Diktatur zu zementieren. Die Regierungstruppen ignorierten weitgehend Al-Kaida, das sehr geringe Unterstützung [außerhalb ihrer Hauptgebiete] hat, und keine wirkliche Bedrohung für die Autorität der Zentralregierung darstellt. Daher konzentrierte diese sich auf die Zerschlagung der südlichen Unabhängigkeitsbewegungen und ganz besonders auf die Aufständischen Houthi im Norden. Letztere - die jetzt große Teile des Landes unter ihrer Kontrolle haben, und den "Präsidenten" zwangen zu fliehen - haben ihre Wurzeln in der "Gläubigen Jugend" die versuchte, die zaydische Form der schiitischen religiösen Traditionen wiederzubeleben, um den Priestern des sunnitischen Fundamentalismus - den Vorläufern von Al-Kaida - etwas entgegen zu setzen. Was ihnen mit einigem Erfolg im Norden des Landes gelang. Die Houthi-Aufständischen widerstanden sowohl den Anstrengungen der Zentralregierung, als auch dem Versuch Saudi Arabiens, sie zu unterdrücken. Allerdings erlitten sie dabei große Verluste. Tausende von Zivilisten wurden bei dem Konflikt getötet, hunderttausende Menschen mussten flüchten.