000 Syrer sind laut dem Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten
Nationen (UNHCR) vor dem blutigen Bürgerkrieg in ihrem Heimatland
mittlerweile nach Jordanien geflüchtet. Knapp 170.000 davon sind im
nördlich von der Hauptstadt Amman gelegenen Flüchtlingslager (Saatari)
in rund 16 Quadratmeter großen Zelten oder in Containern untergebracht.
Auch außerhalb des Lagers stößt man auf die markanten, schneeweißen
Zelte mit großen dunkelblauen UNHCR-Aufschriften. Sie sind über das
gesamte Königreich verstreut, denn in Za’atari wird aus Verzweiflung
mittlerweile jeglichem Hab und Gut gehandelt – so auch mit den eigenen
Unterkünften. Der Anblick ist irreführend, denn im Umland von Amman
wurden zahlreiche UNHCR-Zelte aufgeschlagen und auch in entlegenen
Winkeln des Landes, in weitläufigen Tälern und auf Hochplateaus findet
man sie bereits. Syrer wohnen allerdings kaum mehr darin, die ehemals
für Flüchtlinge bestimmten Unterkünfte werden dort häufig von Hirten und
Beduinen genutzt. In der rötlichen Wüste von Wadi Rum stechen sie mit
ihrem weißen Glanz zwischen den in Grau-, Braun- und Schwarztönen
gehaltenen Beduinenzelten hervor. Einer der Beduinen aus Wadi Rum
erzählte stolz, dass er sein Zelt erst kürzlich von Freunden geschenkt
bekommen habe. Diese Freunde hätten wiederum Verbindungen ins
Flüchtlingslager von Za’atari, erzählte er mit einem Augenzwinkern und
ließ gleich nach Aufbau des Zeltes die UNHCR-Logos mit weißer Farbe
übertünchen. Vereinzelt werden die Zelte auf Terrassen von
Privathäusern aufgebaut, und auch ans über 330 Kilometer südlich von
Amman gelegene Rote Meer haben sie sich ihren Weg gebahnt: An den
Stränden einige Kilometer südlich von Aqaba wurden über eine Handvoll
Zelte befestigt. Wie sie vom Flüchtlingslager dorthin gelangt sind und
wer sie verwendet, ist allerdings unklar. Auch wenn das Bild der
landesweit benutzten Zelte bizarr anmutet und Reisenden beim Anblick
vielleicht ein Lächeln entlockt, steckt doch bitterer Ernst dahinter. Es
unterstreicht die verzweifelte Lage der Flüchtlinge in Za'atari, die
auf ihrer Flucht nach Jordanien ohnehin schon den Großteil ihres
Besitzes in ihrem Heimatland zurücklassen mussten. Dennoch sind sie
bereit, ihre Unterkünfte für eine verhältnismäßig kleine Summe von 20
bis 35 Jordanischen Dinar (22 bis 38 Euro) zu verkaufen - um sich und
ihren Familien auch einmal frisches Fleisch und vitaminreiches Obst oder
Gemüse leisten zu können, erzählte der Taxifahrer Mohammed aus Amman.
Denn Nahrungsmittelrationen im Lager reichen zwar zur Versorgung aus,
bestehen aber größtenteils aus Trockennahrungsmitteln wie etwa Linsen
und Bulgur - und das kann für die Flüchtlinge in Za'atari auf Dauer
nicht gesund sein.
21 Mai 2013 - 11:56
News ID: 421474
Über 455.000 Syrer sind laut dem Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) vor dem blutigen Bürgerkrieg in ihrem Heimatland mittlerweile nach Jordanien geflüchtet.
Über 455.