21 Mai 2013 - 11:56
Hungersnot im Flüchtlingslager Za’atari: Flüchtlinge verkaufen ihre Zelte

Über 455.000 Syrer sind laut dem Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) vor dem blutigen Bürgerkrieg in ihrem Heimatland mittlerweile nach Jordanien geflüchtet.

Über 455.
000 Syrer sind laut dem Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) vor dem blutigen Bürgerkrieg in ihrem Heimatland mittlerweile nach Jordanien geflüchtet. Knapp 170.000 davon sind im nördlich von der Hauptstadt Amman gelegenen Flüchtlingslager (Saatari) in rund 16 Quadratmeter großen Zelten oder in Containern untergebracht.   Auch außerhalb des Lagers stößt man auf die markanten, schneeweißen Zelte mit großen dunkelblauen UNHCR-Aufschriften. Sie sind über das gesamte Königreich verstreut, denn in Za’atari wird aus Verzweiflung mittlerweile jeglichem Hab und Gut gehandelt – so auch mit den eigenen Unterkünften.   Der Anblick ist irreführend, denn im Umland von Amman wurden zahlreiche UNHCR-Zelte aufgeschlagen und auch in entlegenen Winkeln des Landes, in weitläufigen Tälern und auf Hochplateaus findet man sie bereits. Syrer wohnen allerdings kaum mehr darin, die ehemals für Flüchtlinge bestimmten Unterkünfte werden dort häufig von Hirten und Beduinen genutzt.   In der rötlichen Wüste von Wadi Rum stechen sie mit ihrem weißen Glanz zwischen den in Grau-, Braun- und Schwarztönen gehaltenen Beduinenzelten hervor. Einer der Beduinen aus Wadi Rum erzählte stolz, dass er sein Zelt erst kürzlich von Freunden geschenkt bekommen habe. Diese Freunde hätten wiederum Verbindungen ins Flüchtlingslager von Za’atari, erzählte er mit einem Augenzwinkern und ließ gleich nach Aufbau des Zeltes die UNHCR-Logos mit weißer Farbe übertünchen.   Vereinzelt werden die Zelte auf Terrassen von Privathäusern aufgebaut, und auch ans über 330 Kilometer südlich von Amman gelegene Rote Meer haben sie sich ihren Weg gebahnt: An den Stränden einige Kilometer südlich von Aqaba wurden über eine Handvoll Zelte befestigt. Wie sie vom Flüchtlingslager dorthin gelangt sind und wer sie verwendet, ist allerdings unklar.   Auch wenn das Bild der landesweit benutzten Zelte bizarr anmutet und Reisenden beim Anblick vielleicht ein Lächeln entlockt, steckt doch bitterer Ernst dahinter. Es unterstreicht die verzweifelte Lage der Flüchtlinge in Za'atari, die auf ihrer Flucht nach Jordanien ohnehin schon den Großteil ihres Besitzes in ihrem Heimatland zurücklassen mussten.   Dennoch sind sie bereit, ihre Unterkünfte für eine verhältnismäßig kleine Summe von 20 bis 35 Jordanischen Dinar (22 bis 38 Euro) zu verkaufen - um sich und ihren Familien auch einmal frisches Fleisch und vitaminreiches Obst oder Gemüse leisten zu können, erzählte der Taxifahrer Mohammed aus Amman. Denn Nahrungsmittelrationen im Lager reichen zwar zur Versorgung aus, bestehen aber größtenteils aus Trockennahrungsmitteln wie etwa Linsen und Bulgur - und das kann für die Flüchtlinge in Za'atari auf Dauer nicht gesund sein.