Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi hält sich zu einem Kurzbesuch in Berlin auf. Mittags wurde er von Bundeskanzlerin Merkel empfangen und setzte nach einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Kanzlerin die Gespräche im Wirtschaftsministerium fort.
Dies ist Mursis erster Besuch in Deutschland und auch das erste persönliche Treffen mit Merkel. Wegen der Unruhen in Ägypten wurde der ursprünglich für zwei Tage geplante Besuch auf wenige Stunden verkürzt. Am Abend steht eine Rede bei der Körber-Stiftung auf dem Programm.
Bei den Gesprächen geht es vor allem um die innenpolitische Lage Ägyptens. Aber auch der Nahost-Friedensprozess und die Situation in Syrien stehen auf der Agenda. Präsident Mursi, der seit Juni im Amt ist, hofft insbesondere auf Finanzhilfen und mehr Privatinvestitionen.
Auf der Pressekonferenz betonte Mursi seinen Willen zu demokratischen Reformen und dem Aufbau eines Rechtsstaates. Merkel forderte ihn zur Einhaltung der Menschenrechte und insbesondere der Religionsfreiheit auf. Aus ihrer Sicht sei außerdem eine gute, gedeihliche Wirtschaftsentwicklung ein Beitrag für stabile politische Verhältnisse. Beide sprachen sich für einen Ausbau der deutsch-ägyptischen Beziehungen aus - für Mursi allerdings "ohne Einmischung in interne Angelegenheiten". Diese Zusammenarbeit beider Länder solle sowohl die Wirtschaft als auch die Bereiche Kultur, Politik und Wissenschaft umfassen. Diesem Ziel dient die Gründung der ersten Deutsch-Ägyptischen Gemischten Wirtschaftskommission im Wirtschaftsministerium. Diese soll sich künftig als festes Forum mit einer stärkeren Wirtschaftszusammenarbeit zwischen beiden Ländern und konkreten Projekten in vielerlei Bereichen befassen.
Deutschland ist für Ägypten ein wichtiges Partnerland, zum Beispiel im Tourismus. Außerdem ist Deutschland Ägyptens drittwichtigster Handelspartner und ein Empfänger hoher deutscher Entwicklungshilfeleistungen. Ein von Berlin angekündigter teilweiser Schuldenerlass in Höhe von 240 Millionen Euro wurde allerdings verschoben. Auch neue Entwicklungsprojekte stehen aufgrund der politischen Entwicklungen in Ägypten einstweilen auf der Warteliste.