18 September 2016 - 05:31
Salafisten werben wieder

Diese Geschäfte seien "nicht nur Modeläden, sondern Teile einer salafistischen Infrastruktur", sagte die Leiterin des Zentrums Globaler Islam der Universität Frankfurt am Main, Susanne Schröter, dem ARD-Magazin "Report Mainz". Zudem würden dort Schleier sogar schon für zweijährige Mädchen verkauft.

Diese Geschäfte seien "nicht nur Modeläden, sondern Teile einer salafistischen Infrastruktur", sagte die Leiterin des Zentrums Globaler Islam der Universität Frankfurt am Main, Susanne Schröter, dem ARD-Magazin "Report Mainz". Zudem würden dort Schleier sogar schon für zweijährige Mädchen verkauft.

Experten warnen vor der Ausbreitung sogenannter Niqab-Shops in Deutschland, in denen Vollverschleierungen für muslimische Frauen angeboten werden.

Die Geschäfte seien Zentren, "in denen auch Informationen weitergegeben werden und die auch als Treffpunkte für Salafistinnen und Salafisten fungieren", sagte Schröter weiter. "Die Szene ist klar extremistisch, sie ist beunruhigend und es erfordert Handlungsbedarf", sagte die Wissenschafterin weiter.

Verdeckte Aufnahmen zeigen laut "Report Mainz", wie eine Verkäuferin versucht, Druck auf eine Kundin auszuüben, sich zu verschleiern. Von einer "schockierenden" Entwicklung spricht dem Magazin zufolge der Freiburger Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi, "besonders wenn es um die Indoktrination der Kinder geht". In einigen der Läden würden auch Symbole gezeigt, die mit der Jihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) in Verbindung gebracht werden.

Eine ganze Weile waren sie auf der Zeil nicht mehr zu sehen. Doch nun sind die jungen Muslime, die im Auftrag der salafistischen Initiative „Lies“ den Koran verschenken, offenbar wieder in Frankfurt aktiv. Auf den Webseiten des Netzwerks „Die wahre Religion“, das hinter der Koranaktion steht, finden sich Fotos aus den vergangenen Wochen, auf denen drei junge bärtige Männer in weißen „Lies“-Jacken auf der Zeil zu sehen sind.

Michael Jenisch, Sprecher des Frankfurter Ordnungsamts, bestätigte der Frankfurter Rundschau, dass die Behörden „Lies“ seit Anfang Mai zwei Mal in der Stadt gesichtet haben. In den Monaten davor habe man die Gruppe lange gar nicht gesehen, sagte Jenisch, „aber in letzter Zeit haben wir auch festgestellt, dass die wieder aktiv sind“.

Wenn man die Aktivisten auf der Zeil antreffe, achte man wie in der Vergangenheit darauf, dass sie keine Infostände aufbauten, sagte Jenisch. Gegen Stände oder Infotische von „Lies“ war die Stadt in den vergangenen Jahren immer wieder mit Erfolg vorgegangen. Als Reaktion hatten die Salafisten damit begonnen, den Koran aus Rucksäcken oder kleinen Bauchläden zu verteilen. Bei diesem mobilen Vorgehen „sind uns aus ordnungsrechtlicher Sicht die Hände gebunden“, sagte Jenisch.

Die „Lies“-Aktion ist eine Idee des salafistischen Predigers Ibrahim Abou-Nagie aus Köln, der das Netzwerk „Die wahre Religion“ maßgeblich prägt. In den letzten Jahren hat die Kampagne ihre Aktivitäten systematisch ausgebaut, sie ist inzwischen europaweit aktiv. Abou-Nagie wirbt für eine besonders strikte Auslegung des Koran, die klar zwischen „Gläubigen“ und „Ungläubigen“ unterscheidet und nach Auffassung vieler Experten zur Radikalisierung gerade junger Muslime beiträgt. Mehrere junge Menschen, die aus Frankfurt nach Syrien gegangen waren, um sich der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) anzuschließen, waren zuvor bei „Lies“ aktiv gewesen.

In Frankfurt war die Gruppe lange Zeit von dem ehemaligen Kleinkriminellen Bilal G. organisiert worden, bis Abou-Nagie ihn im Frühjahr rausgeworfen hat. Der Grund dafür war offenbar, dass G. in einem Facebook-Eintrag den europäischen Staaten die Schuld am Terroranschlag in Brüssel im März gegeben hatte. Aber auch im neuen „Lies“-Team finden sich bekannte Gesichter: Die Fotos zeigen unter anderem einen Mann mit rotem Bart, der zuletzt auch für die salafistische Missionsgruppe „Wacht auf“ in Offenbach aktiv war.