Das Interview wurde gestern in der Sendung "Meet the Press" ausgestrahlt.
Auf die Feststellung, dass Iran nicht bereit sei, den Großteil seiner Zentrifugen zur Urananreicherung zu vernichten, antwortete Zarif: "Wir sind zu allem und jedem bereit, was der internationalen Gemeinschaft glaubhaft versichern würde, dass der Iran nicht nach dem Besitz von Atomwaffen strebt - denn das tun wir nicht. Wir sehen in der Entwicklung von Atomwaffen keinerlei Vorteil."
Darauf entgegnete der Interviewer: "Wieso können Sie darin keinen Vorteil sehen? Iran ist ein von sunnitischen Staaten umgebener schiitischer Staat. Viele davon sind Feinde Irans. Sie wissen sehr gut, welche abschreckende Wirkung Länder wie Pakistan mit ihren Atomwaffen erzielen können. Sie bedeuten mehr regionalen Einfluss. Zyniker würden daher sagen: "Warum wollen Sie keine Atomwaffen haben?"
Zarif: "All diese Kalkulationen sind falsch. Tatsächlich geht es uns darum, unsere Nachbarn zu überzeugen, dass wir mit ihnen in Ruhe und Frieden zusammenleben wollen. Dass der Iran größer und stärker ist als die meisten Nachbarländer, dass der Iran mehr Einwohner hat, dass unser Land weiter entwickelt ist - auch technologisch weiter entwickelt -, all das macht uns stark genug und wir brauchen keine weiteren Kraftquellen. ...
Aus diesem Grund hält auch niemand unseren Nachbarn Pakistan nur wegen des Besitzes von Atomwaffen für eine stärkere Macht in der Region. Tatsächlich glaube ich, dass der Besitz von Atomwaffen den Einfluß eines Landes senkt. Das nützt niemand. ... Es ist irrsinnig, wenn die USA, Russland und andere Länder nach Frieden und Sicherheit durch die Möglichkeit streben, einander hundertfach zu zerstören.
Deshalb brauchen Sie [mit Blick auf den Iran] diese Vorstellung, dass Atomwaffen Sicherheit schaffen, gar nicht einzukalkulieren. Haben sie Pakistan sicher gemacht? Haben sie Israel sicher gemacht? Haben sie die USA sicher gemacht? Haben sie Russland sicher gemacht? All diese Länder sind verwundbar. Damit haben Sie den Beweis, dass weder Atomwaffen noch die Steigerung von Militärmacht Sicherheit bringt. Deshalb müssen wir unser Leben in ein anderes Bezugssystem stellen. Und das ist es, wozu wir auffordern."