14 Juli 2013 - 12:00
"Katar hat aufs falsche Pferd gesetzt "

Eine Usermeinung aus dem Weblog Alles Schall und Rauch

Eines zeigt die Entfernung von Präsident Mohammed Mursi in Ägypten, mit Geld kann man doch nicht alles kaufen. Katar hat damit eine außenpolitische Niederlage erlitten, denn sie haben auf die Muslimbruderschaft in den vergangenen Jahren gesetzt. Katar hat in der Ära nach Mubarak 8 Milliarden Dollar in die von den Muslimbrüdern geführte Regierung investiert. Das jähe Ende der Präsidentschaft von Mursi durch die Armee, die ihren Mann aus dem Amt putschte, hat die Muslimbrüder wieder an den Rand der Gesellschaft in Ägypten gedrängt. Die Mehrheit der Bevölkerung will keine Islamisierung. Dohas Unterstützung der islamistischen Gruppen seit Beginn des sogenannten Arabischen Frühlings hat nicht die gewünschten Resultate gebracht. Katar hat damit aufs falsche Pferd gesetzt und ist der große Verlierer. Auch das verbrecherische Abenteuer in Syrien ist gescheitert und die 3 Milliarden Dollar die Katar den radikal islamischen Terroristen bisher auszahlte hat nicht zum Sturz von Assad geführt. Im Gegenteil, die Bevölkerung in Syrien hat durch die Gräueltaten und Massaker der Terroristen erkannt, ein Machtwechsel und die Einführung der Scharia kann nur der absolute Horror für sie bedeuten. In den bisher von ihnen kontrollierten Gebieten werden alle abgeschlachtet die in den Augen der Extremisten "ungläubig" sind. Deshalb geniesst Assad verstärkt Unterstützung im Volk und in der Armee, die ausländischen Mörderbanden werden zurückgedrängt und große Teile Syrien sind wieder befreit worden.  
 
Aber nicht nur Katar konnte mit Geld sich nicht gegen den Willen der Bevölkerung in Ägypten und Syrien durchsetzen und seine Marionetten an der Macht halten oder bringen, sondern die US-Regierung auch nicht. Doha befolgt ja nur die Befehle Washingtons und ist der Financier der "Regimewechsel". Das auf den ersten Blick paradoxe ist ja, dass die Vereinigten Staaten überall in den arabischen Ländern die extremen islamischen Kräfte an die Macht bringen will, die sie sonst vorgeben zu bekämpfen. Der Kampf gegen den Terror ist ja in Wirklichkeit einer FÜR Terror. Wer hat denn die Taliban in Afghanistan an die Macht gebracht? Es war Washington. Wer hat Osama Bin Laden und die Al-Kaida erschaffen? Die CIA. Hillary Clinton hat es ja zugegeben. 
 
Völlig schockiert über die Entwicklung in Ägypten reagierte Obama erst Stunden nach dem Machtwechsel von Kairo und kritisierte das Militär. Während die Menschen auf Kairos Tahrir-Platz den Sturz von Mursi feierten, saß Barack Obama mit seinen Sicherheitsberatern stundenlang im Weißen Haus zusammen und überlegte, wie der Scherbenhaufen ihrer Politik zu erklären ist und wie es weitergehen soll. Er droht jetzt die finanzielle Hilfe für Ägypten zu streichen, jene 1, 3 Milliarden Dollar, mit denen die USA jedes Jahr Ägyptens Militär unterstützen. Aber wie gesagt, mit Geld kann man nicht alles kaufen und der Einfluss Amerikas auf die Entwicklungen in Ägypten ist geschwunden. 
 
Überhaupt erkennen immer Menschen auf der Welt, wer der wirkliche Schurkenstaat ist, wer für alle Kriege verantwortlich ist, wer ständig lügt und falsch spielt, wer nur Tod, Leid und Zerstörung über den Planeten bringt. Der Prism-Skandal und die Einstellung der US-Regierung, die angeblichen Partner und Alliierten ausspionieren zu müssen, hat viele auch in Deutschland aufgeweckt. Die Illusion ist am Bröckeln, die Amis sind unsere Freunde. Waren sie noch nie. Für sie sind die Europäer, aber speziell die Deutschen, nur nützliche Idioten die man kontrolliert und für die imperialistische Kriegspolitik ausnutzt. Ohne der landesverräterischen Kooperation Berlins könnte Amerika gar keine Kriege führen. 
 
Nicht nur die europäischen Völker müssen erkennen, wer ihr wirklicher Feind ist. Die arabischen Länder sowieso. Die amerikanische Politik war schon immer, einen Diktator der nicht ihre Befehle befolgt mit einen der es tut zu ersetzen. Es gehe Washington um Demokratie, ist doch ein lächerliches Märchen für Naivlinge. Das haben die Ägypter jetzt mit Mursi auch erkannt. Obama steht damit auf der falschen Seite der Geschichte, in dem er auf Mursis Muslimbruderschaft setzte, genau wie Katar diese Fehleinschätzung machte. 
 
Die nächste Marionette die von Katar finanziell abhängig ist und der eine Entfernung droht ist Erdoğan, auch ein Fan der Muslimbrüder. Den Ausbau seiner staatlichen Religionsbehörde Dinayat strebt er vehement voran. Erdoğan besuchte Ägypten im September 2011 und die Muslimbrüder boten ihm ein herzliches Willkommen, einschließlich Bussi hier und Jubel dort. Dies Teil einer Tour durch die arabischen Umbruchstaaten. Nach dem arabischen Frühling wollte er die Türkei als Wirtschaftsmacht und als politischer Player mit regionaler Ausstrahlung positionieren.  
 
Nur, seine verbrecherische Politik gegenüber Syrien zeigt, von wem er gesteuert wird und welchen Größenwahn er unterliegt. Die Demonstrationen in der Türkei und die Rolle des ägyptischen Militärs beim Umsturz seines Freundes Mursi haben Erdoğan jetzt in Panik versetzt. Das Regime in Ankara arbeitet fieberhaft daran, das Militärdienstgesetz zu ändern. Damit soll zukünftig verhindert werden, dass das Militär einen Staatsstreich durchführt. Das soll nun durch eine Anpassung des Artikels 35 anders werden.  
 
Der Artikel 35 des Militärdienstgesetzes besagt: „Es ist die Pflicht der Türkischen Streitkräfte, das türkische Staatsgebiet und die durch die Verfassung ausgerufene Türkische Republik zu schützen.“ Patriotische Offiziere könnten damit die Regierung entfernen, wenn sie wie das ägyptische Militär der Meinung sind, so den Volkswillen umzusetzen und das Land von einem Diktator zu befreien. Der Text soll dahingegen abgeändert werden, dass das türkische Militär nur noch für „Bedrohungen und Gefahren aus dem Ausland“ zuständig ist.  
 
Die Ausrede, Mursi und auch Erdoğan wären demokratische gewählt, gilt überhaupt nicht, speziell wenn sich herausstellt, wer sie wirklich sind, wessen Interessen sie vertreten, wie sie das Land islamisieren wollen und die Wähler nur getäuscht haben. Wer vor den Wahlen etwas verspricht und danach was ganz anderes tut, ist nicht legitimiert, sondern ein Betrüger. Das Militär eines jeden Landes muss grundsätzlich gegen alle äusseren aber auch inneren Feinde das Land schützen. Wenn Erdoğan jetzt das Gesetz ändert und eine Einschränkung vornimmt, dann zeigt es deutlich auf welcher Seite er steht.  
 
Die Menschen in der Türkei haben die Bevormundung durch die regierende AKP satt. Sie wollen die antidemokratischen Dekrete Erdoğans, die Einschränkung der Pressefreiheit und Gleichschaltung der staatlichen Medien nicht mehr hinnehmen. Sie wollen die Vertreibung der Armen zu Gunsten riesiger Konsumtempel nicht mehr akzeptieren und sie lehnen sich gegen die Gewaltexzesse der türkischen Polizei auf, die mit allen Mitteln versucht, die Ausweitung der Proteste auf weitere Bevölkerungsteile zu verhindern. 
 
Wie gesagt, Katar hat viele Milliarden ausgegeben und damit versucht die Politik in den arabischen Ländern zu steuern, hat damit islamistischen Gruppen quer über Nordafrika und den Nahen Osten unterstützt und Einfluss gegeben. Aber die Entfernung von Mursi und damit auch der Muslimbrüder von der Macht in Ägypten ist der Höhepunkt des Scheiterns dieser Politik des "mit Geld kann man alles kaufen." Die Bevölkerung in Ägypten ist offensichtlich nicht bestechlich, im Gegensatz zu den machthungrigen Politikern. (Quelle: Alles Schall und Rauch)