Notstandsgesetze sollen mit der Zustimmung eines gewählten Parlaments nur noch für einen Zeitraum von sechs Monaten erlassen werden dürfen. Danach soll in einer neuen Volksabstimmung über eine etwaige Verlängerung entschieden werden. In den vergangenen 30 Jahren wurden die Notstandsgesetze von Mubaraks Regime zur Unterdrückung jeglicher Opposition genutzt.
Das Referendum über insgesamt neun Verfassungsänderungen gilt als erster Test für den vom Volk erzwungenen Übergang zur Demokratie. Eine Zustimmung der Mehrheit würde den Weg zu Parlaments- und Präsidentenwahlen in diesem Jahr ebnen. Ein "Nein" würde die von den Streitkräften gesetzte Frist für die Übergabe der Macht an eine gewählte zivile Regierung um ein halbes Jahr verlängern. Sie können das Änderungspaket nur als Ganzes ablehnen oder annehmen.
Die gut organisierte, in den Moscheen verankerte Muslimbruderschaft hatte zur Annahme der Verfassungsänderungen aufgerufen. Die liberale und linke Opposition sowie prominente Schriftsteller und Schauspieler plädieren dagegen für eine Ablehnung, weil sie ihnen nicht weit genug gehen. Mit den Ergebnissen wird frühestens am Sonntagabend gerechnet. Der Ausgang des Urnengangs gilt als offen.
Nach dem Sturz der Monarchie im Jahre 1952 haben die Ägypter bereits 21 Mal über Verfassungen, Friedensverträge und Präsidenten abgestimmt. Dabei waren aber - unter autoritären Rahmenbedingungen - stets Zustimmungsquoten von mindestens 90 Prozent programmiert gewesen.