17 Januar 2011 - 20:30

Die gestern vorgestellte Übergangsregierung in Tunesien ist schon in eine Krise geraten. Aus Protest gegen den Verbleib zahlreicher Mitglieder des alten Kabinetts kündigte die Gewerkschaft UGTT die Mitarbeit auf und zog ihre drei Vertreter ab.

Auch andere Oppositionspolitiker berieten über das weitere Vorgehen, erklärte die Gewerkschaft. Die UGTT ist die einzige große Gewerkschaft in Tunesien; sie hatte bei den Protesten gegen den gestürzten Präsidenten Ben Ali eine zentrale Rolle gespielt. Landesweit gingen tausende Bürger auf die Straße, um gegen die Regierung zu demonstrieren. In Tunis löste die Polizei eine Versammlung von rund 200 Menschen mit Tränengas auf. Ministerpräsident Ghannouchi verteidigte die Zusammensetzung der Übergangsregierung. Die Minister aus der Zeit Ben Alis seien kompetent und hätten sich nichts vorzuwerfen. Er kündigte ferner an, alle zu bestrafen, die für das gewaltsame Vorgehen gegen Demonstranten verantwortlich gewesen seien. Nach jüngsten offiziellen Angaben wurden bei den Zusammenstößen mit Sicherheitskräften 78 Menschen getötet.