29 Dezember 2010 - 20:30

Ein israelisches Gericht hat den früheren Präsidenten Mosche Katsav in einem spektakulären Vergewaltigungsprozess schuldig gesprochen. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass er die ihm vorgeworfene zweifache Vergewaltigung und sexuelle Belästigung begangen habe. Der Ex-Präsident war nach Medienberichten fassungslos, als er das Urteil hörte. "Nein, nein", habe er gemurmelt. Vertraute riefen im Gericht, das Urteil sei unrecht.

Der Prozess gegen einen israelischen Präsidenten hatte im vergangenen Jahr begonnen. Bei den Verhandlungen ging es um Vorwürfe mehrerer Frauen. Der Richter betonte, die Klägerin, die Katsav Vergewaltigung in zwei Fällen vorwarf, habe die Wahrheit gesagt. Katsav habe sich hingegen in Lügen verstrickt. "Es ist bewiesen, dass es keine Einwilligung gab", hieß es in dem Urteil. Katsav habe Gewalt eingesetzt, und die Zeugen der Verteidigung hätten sich als brüchige Stütze erwiesen.

Eine Klägerin hatte dem ehemaligen Staatsoberhaupt vorgeworfen, er habe sie 1998 in seinem Büro in Tel Aviv und zwei Monate später erneut in einem Hotel in Jerusalem vergewaltigt. Die beiden anderen Frauen berichteten, er habe sie unter anderem gegen ihren Willen umarmt und seinen Körper an sie gedrückt.


Die Sexualstraftaten gegen die drei Frauen ereigneten sich während Katsavs Amtszeit als Tourismusminister von 1996 bis 1999 sowie während der Präsidentschaft von 2000 bis 2007. Im Juli 2006 wandte sich Katsav an den Generalstaatsanwalt und behauptete, eines seiner Opfer wolle ihn erpressen. Im Zuge der Ermittlungen geriet er jedoch immer weiter unter Druck.


Vor dem Gericht hatten während der Verlesung des Urteils Frauenorganisationen protestiert. Sie forderten eine harte Strafe.