Die Lebensverhältnisse der eingeschlossenen Menschen hätten sich in den vergangenen Wochen weiter verschlechtert, durch die vollständige Schließung des Grenzübergangs Nahal Oz sei insbesondere die medizinische Versorgung betroffen. Über Nahal Oz war vor allem Treibstoff in den Gazastreifen transportiert worden, der fehle gerade den Krankenhäusern. Die anhaltende Blockade des Gazastreifens behindere nicht nur die medizinische Versorgung, sondern habe auch »die sozialen, wirtschaftlichen und Umweltbedingungen für die Gesundheit« der Eingeschlossenen weiter verschlechtert, hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme der UN und der Vereinigung der Internationalen Entwicklungsagenturen (AIDA). Neben einem Förderband am Grenzübergang Karni sei derzeit lediglich ein einziger Grenzübergang (Kerem Schalom) für den Gütertransport geöffnet, der völlig überlastet sei. Israel verlangt, daß alle humanitären Lieferungen für den Gazastreifen an der Grenze umgeladen werden müssen, wodurch sich der Transport erheblich verzögert.
Die akribischen wöchentlichen und monatlichen Berichte von OCHA über die täglichen Angriffe, Drohungen und Behinderungen durch die israelische Besatzungsarmee stellen eine Liste von Schandtaten dar, die Israel nicht kommentiert. Als kürzlich schwere Regenfälle die Bewohner von Al-Mughraga (südöstlich von Gaza-Stadt) zwangen, ihre Zelte zu verlassen und sie Hunderte Stück Nutzvieh und Bienenstöcke verloren, war es den Organisationen kaum möglich zu helfen.
Die Einwohner des Gazastreifens haben derweil Recyclingmethoden entwickelt, um wieder ein festes Dach über den Kopf zu bekommen. Sie sammeln die Trümmer ihrer von Israel zerstörten Häuser, zermahlen sie zu Kies und bauen mit durch die Tunnel aus Ägypten geschmuggeltem Zement neue, kleinere Häuser. Andere haben mit Unterstützung der UN angefangen, Lehmhäuser zu bauen, die den Familien mehr Schutz als die Zelte bieten, in denen sie seit dem Krieg 2008/09 neben ihren zerstörten Häusern ausgeharrt hatten. Auf einer Geberkonferenz im März 2009 hatten mehr als 70 Staaten 4,5 Milliarden US-Dollar für den Wiederaufbau des Gazastreifens zugesagt. Wegen der israelischen Blockade und der Klausel, nicht mit der Hamas zu kooperieren, ist kaum etwas davon bei den Eingeschlossenen von Gaza angekommen.