Menschenrechtsverbrechen während der israelischen Militäroperation
»Gegossenes Blei« im Gazastreifen aufzudecken, hatte er Bedenken, als
Jude in ein Gebiet zu gehen, das von der palästinensischen Hamas
kontrolliert wird. Als Goldstone den Abschlußbericht vorlegte, wurde
der 71jährige Jurist von israelischen Massenmedien geschmäht – und
Staatsoberhaupt Shimon Peres nannte seinen Bericht eine »Verhöhnung der
Geschichte«.
Offiziell hatte sich die Militäroperation vom 27.
Dezember 2008 bis zum 18. Januar 2009 gegen Mitglieder und
Einrichtungen der Hamas gerichtet. Nach israelischen Angaben verloren
im Gazastreifen 1166 Menschen ihr Leben, palästinensische Zahlen
schwanken zwischen 1387 und 1417 Getöteten. Goldstone war vom Ausmaß
des Elends und der Zerstörung schockiert und hatte der israelischen
Armee eine Verletzung des humanitären Völkerrechts durch wahllose
Angriffe mit zivilen Todesopfern und die Zerstörung lebenswichtiger
Infrastruktur bescheinigt.
Die deutsche Übersetzung des
»Gaza-Reports« hat ein jüdischer Verleger in Auftrag gegeben, der
ebenfalls Schmähungen gewohnt ist: Abraham Melzer, den der Autor und
Kulturkampfagitator Henryk M. Broder als Antisemiten und jüdischen
Selbsthasser diffamierte. Eine Kurzfassung des Berichts in deutscher
Sprache ist am Samstag in Berlin vorgestellt worden, wo Melzer sich
genötigt sah, auf bisherige und zukünftige Attacken einzugehen: »Kritik
an Israel ist kein Antisemitismus – Empathie für die Palästinenser
bedeutet nicht, daß man Israel auslöschen will«.
Auf den
konkreten Nachweis sachlicher Fehler haben Goldstones Kritiker bislang
verzichtet. Statt dessen wirft man ihm vor, sein Untersuchungsbericht
stütze sich unter anderem auf Quellenmaterial von »notorisch
antiisraelischen Nichtregierungsorganisationen« – darunter neben
palästinensischen Organisationen auch Human Rights Watch und Amnesty
International. Allerdings hatten Goldstone und seine
Untersuchungskommission während ihrer Aufenthalte im Gazastreifen ihre
Gesprächspartner selbst ausgewählt, darunter Menschen, die durch die
Militäroperation zum Teil mehrere Angehörige verloren hatten.
Mit
eigenen Augen sahen die Mitglieder der Untersuchungskommission
Zeugnisse der Verwüstung: Von Panzern umgepflügte Felder; zerstörte
Hühnerfarmen; die einzige Getreidemühle ein Trümmerhaufen – offenbar
gezielte Angriffe gegen die Nahrungsmittelinfrastruktur. In Gaza-Stadt
war die Kanalisation getroffen worden und ein Gelände von einem
Quadratkilometer Fläche mit Abwässern überschwemmt.
Die deutsche
Endfassung des Reports umfaßt voraussichtlich knapp 700 Seiten. Das
Vorwort schrieb der letzte noch lebende Mitunterzeichner der Charta der
Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948 und UNESCO-Preisträger
des Jahres 2008, Stephane Hessel.
Gerüchte, Goldstone habe sich
inzwischen von dem Bericht distanziert, weil ihm nicht Recht sei, »was
damit gemacht werde«, wies Melzer zurück. Bei Rücksprachen mit dem
Verlag habe Goldstone lediglich gesagt, er sehe seine Arbeit als
erledigt an, seit er den Bericht der UNO übergeben habe.
Prof.
Dr. Rolf Verleger von der »Jüdischen Stimme für Gerechten Frieden« ging
auf die historischen Hintergründe des Nahostkonflikts ein, der ohne die
nationalistische Verfolgung der Juden in Europa nicht denkbar sei.
Trotzdem halte er sich mit Kritik nicht zurück, wenn die »Reste des
Judentums« in der BRD heute mehrheitlich kein Blatt zwischen sich und
dem Staat Israel ließen.
18 März 2010 - 20:30
News ID: 176308
Gegossenes Blei« schwarz auf weiß: Deutsche Fassung des »Goldstone-Berichts« über israelische Militäroperation in Berlin vorgestellt