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Botschaft des geehrten Oberhauptes der Islamischen Revolution Ajatollah Khamenei anlässlich der diesjährigen Hadsch-Zeremonie in Mekka (2020)

Botschaft des geehrten Oberhauptes der Islamischen Revolution Ajatollah Khamenei anlässlich der diesjährigen Hadsch-Zeremonie in Mekka (2020)

Das geehrte Oberhaupt der Islamischen Revolution Irans hat betont, dass in der gegenwärtigen Situation der Vereinigten Staaten und ihrer Anti-Rassismus-Bewegung die feste iranische Position darin bestehe, die Menschen zu unterstützen und das gewalttätige Vorgehen der rassistischen US-Regierung zu verurteilen.

Wie die Ahlulbayt Nachrichtenagentur ABNA berichtet, Revolutionsoberhaupt Ajatollah Khamenei hat auch in diesem Jahr eine Botschaft an die Hadschpilger in Mekka gerichtet. Hier die vollständige Übersetzung ins Deutsche:

بسم الله الرّحمن الرّحیم

الحمدلله ربّ العالمین و صلّی الله علی محمّد و آله الطّاهرین و صحبه المنتجبین و من تبعهم باحسان الی یوم الدّین.

 Im Namen Gottes des Allerbarmers, des Gnädigen!

Preis und Dank sei Gott, dem Herrn der Welten, und Gottes Segen sei auf Mohammad und den Makellosen aus seinem Hause, sowie den auserwählten Gefährten und auf jenen, die ihnen auf angemessene Weise folgen, bis zum Jüngsten Tage

 Die Hadschzeit – eine Zeit, die der Islamischen Welt stets ein Gefühl der Ehre, Größe und Entfaltung verliehen hat - wird dieses Jahr vom Kummer und Bedauern der Gläubigen und dem Gefühl der Trennung und der Enttäuschung der mit Sehnsucht Erfüllten überschattet. Die Herzen spüren angesichts der Verlassenheit der Kaaba Heimweh nach ihr und Tränen und Seufzer vermischen sich mit dem Ruf der Bereitschaftskundgebung Labaik all derer, die ihr fern bleiben müssen. Diese Entbehrung ist nur von kurzer Zeit und wird - mit Gottes Macht – nicht lange währen. Jedoch sollte die Lehre dieser Entbehrung – nämlich den großen Segen des Hadsches zu schätzen –bestehen bleiben und uns aus der Unachtsamkeit befreien.

 Dieses Jahr müssen wir mehr denn je das Geheimnis der Größe und Macht der Islamischen Weltgemeinde, welches sich in der umfangreichen und von der Vielfalt geprägten Versammlung der Gläubigen am Heiligtum der Kaaba und an der Heiligen Ruhestätte des Propheten (Gottes Segen sei auf ihm und seinem Hause) der Imame, die im Baqi`(Friedhof) ruhen (Friede sei ihnen), verbirgt, gewahr werden und über es nachdenken.

 Der Hadsch ist eine beispiellose Pflicht – er ist unter den Islamischen Pflichten die Blume mit hundert Blütenblättern. Im Hadsch sollen anscheinend alle wichtigen Aspekte der Religion für den Einzelnen und die Gesellschaft, das Weltliche und Überirdische und ihre Geschichte und ihre Universalität erneut vor Augen geführt werden. Der Hadsch beinhaltet Spiritualität; jedoch eine Spiritualität ohne Isolierung von den anderen, ohne Absonderung in einen einsamen Winkel und Flucht in die Abgeschiedenheit. Hadsch beinhaltet ebenso ein Zusammentreffen, aber ein Zusammentreffen frei von Streit, schlechter Rede und schlechten Absichten. Zum einen die spirituelle Freude an den innigen Bittgebeten und Anflehungen Gottes und Seiner Preisung und dem Ihm-Eingedenk-Sein, und zum anderen die Verknüpfung mit den anderen durch die Nähe und den Kontakt zu ihnen.

 Der Hadschpilger erblickt mit dem einen Auge seine weit zurückreichende Verbindung zur Geschichte – seine Verbindung zu Abraham und Ismail und Hadschar, zu dem Propheten Gottes während seines siegreichen Einzuges in die Heilige Moschee zusammen mit einer großen Schar von Gläubigen in der islamischen Frühzeit. Zugleich sieht er mit dem anderen Auge die riesige Menge von Gläubigen, die wie er in der Gegenwart leben und von denen jeder eine Hand sein kann, die Hilfe spendet und gemeinsam mit den anderen an dem Haltetau Allahs festhält.

 Das Nachdenken über das Phänomen des Hadsches führt den Hadschpilger zu dem festen Glauben daran, dass viele der Ideale und Forderungen der Religion für die Menschheit ohne Zusammenführung der verfügbaren Kräfte und ohne Einmütigkeit und Zusammenarbeit der Gesamtheit der Religionsanhänger nicht verwirklichbar sein werden und dass die List der Gegner und Feinde kein großes Problem auf diesem Weg hervorruft, falls diese Eintracht und Zusammenarbeit zustande gebracht wird. Der Hadsch ist ein Machtmanöver gegenüber den arroganten Unterdrückern, die den Ausgangspunkt für Verderbnis und Unterdrückung, die Ermordung der Schwachen und Ausplünderung darstellen. Unter deren Repression und Boshaftigkeit leiden in unserer Zeit Leib und Seele der Islamischen Weltgemeinde und bluten aus zahlreichen Wunden. Der Hadsch ist eine Demonstration der materiellen und immateriellen Kräfte der Umma. Dies ist die Natur und der Geist des Hadsches und gehört zu seinen wichtigsten Zielen. Das ist genau das, was der verstorbene große Imam Chomeini den abrahamitischen Hadsch genannt hat. Es ist genau das, wodurch sich die großen Probleme in der Islamischen Welt lösen lassen, falls die Verwalter des Hadsches, die sich die Diener der beiden Heiligtümer nennen, aufrichtig diesem Hadsch gehorchen und anstatt der Suche nach Zufriedenstellen der US-Regierung sich für die Suche nach der Zufriedenheit Gottes entscheiden. Heute besteht wie immer und mehr denn je das dringende Interesse der islamischen Weltgemeinde an der Einheit. Eine Einheit, die eine gemeinsame Faust gegenüber den Bedrohungen und Feindseligkeiten ballt und ihren Ruf dem verkörpertem Satan - die maßlose und vertragsbrüchige USA und ihr Kettenhund, das zionistische Regime - wie Gewitterdonner entgegenschmettert und tapfer und standhaft eine Front gegenüber den Gewaltsamkeiten bildet. Dies ist die Bedeutung des göttlichen Befehls, wenn er spricht:

 وَاعتَصِموا بِحَبلِ اللهِ جَمیعًا وَلا تَفَرَّقوا

„Und haltet alle fest am Seil Allahs und geht nicht auseinander!“ (Sure 3, Al-i Imran, Vers 103).

 Der Weise Koran hat die Islamische Umma mit folgenden Worten beschrieben:

 اَشِدّاّْءُ عَلَی الکُفّارِ رُحَماّْءُ بَینَهُم

„(Sie) sind den Ungläubigen gegenüber hart, zueinander aber barmherzig“ (Sure 48, Fath, Vers 29)

 Und er hat von der Islamischen Umma die Erfüllung folgender Pflicht gefordert:

 لا تَرکَنوِّا اِلَی الَّذینَ ظَلَموا

„Und sucht nicht eine Stütze bei denen, die Unrecht tun“ (Sure 11, Hud, Vers 113)

 Er hat gesagt:

 وَلَن یَجعَلَ اللهُ لِلکافِرینَ عَلَی المُؤمِنینَ سَبیلًا

„Und Allah wird den Ungläubigen keine Möglichkeit geben(,) gegen die Gläubigen (vorzugehen).“ (Sure 4, Nisa, Vers 141)

 Und (gefordert):

 فَقاتِلوا اَئِمَّةَ الکُفر

„kämpft gegen die Anführer des Unglaubens“ (Sure 9, Tauba, Vers 12)

 لا تَتَّخِذُوا عَدُوِّی وَ عَدُوَّکُمْ أَوْلِیا

„nehmt nicht Meine Feinde und eure Feinde zu Schutzherren,“

(Sure 60, Mumtahana, Vers 1)

 Und er hat damit, dass er folgendes Gebot herausgab, indirekt klargestellt, wer ein Feind ist:

 لا یَنهکُمُ اللهُ عَنِ الَّذینَ لَم یُقاتِلوکُم فِی الدّینِ وَلَم یُخرِجوکُم مِن دِیارِکُم اَن تَبَرّوهُم وَ تُقسِطوا اِلَیهِم

„Allah verbietet euch nicht, gegenüber denjenigen, die nicht gegen euch der Religion wegen gekämpft und euch nicht aus euren Wohnstätten vertrieben haben, gütig zu sein und sie gerecht zu behandeln.“

(Sure 60, Mumtahana, Vers 8)

 Diese wichtigen und das Schicksal bestimmenden Anweisungen dürfen niemals getrennt von dem Denk- und Werteschema von uns Muslimen bleiben und vergessen werden. Jetzt befindet sich mehr denn je die Grundlage für diesen grundsätzlichen Wandel in Reichweite der Gemeinschaft und deren engagierten Elitekräfte, die an das Wohl denken. Heute ist das islamische Erwachen, in dem Sinne, dass die muslimischen Eliten und jungen Menschen auf ihren Besitz an Erkenntnis und Spiritualität achten, eine nicht zu leugnende Wahrheit. Heute sind der Liberalismus und der Kommunismus, welche vor 100 Jahren bzw. vor 50 Jahren als die besten Mitbringsel der westlichen Zivilisation galten, vollständig verblasst, und ihre unheilbaren Mängel sind deutlich geworden. Jene Staatsordnung, die auf der einen dieser beiden Ideologien beruhte, ist völlig zusammengebrochen und diejenige, die auf der anderen basiert, ist in schwere Krisen verwickelt, und ihr Zusammenbruch steht kurz bevor. Heute hat nicht nur das westliche Kulturmodell, welches von Beginn an ebenso dreist und schamlos den Fuß in die Arena setzte – sondern haben sogar das politische und das wirtschaftliche Modell des Westens, d.h. eine Demokratie, deren Dreh- und Angelpunkt das Geld ist und ein nach Klassen gliedernder und auf Benachteiligung aufbauender Kapitalismus, bewiesen, dass sie untüchtig und unheilvoll sind.

 Heute sind die Elitekräfte in der Islamischen Welt, die erhobenen Hauptes und stolz alle Behauptungen des Westens über Wissen und Zivilisation herausfordern und offen die islamischen Alternativen dazu vorzeigen, nicht gering an der Zahl. Sogar einige Denker im Westen, die zuvor überheblich erklärt haben, der Liberalismus sei das Ende der Geschichte, haben inzwischen diese Behauptung zurückgenommen und bekennen sich heute zu ihrer Ratlosigkeit in Theorie und Praxis.

 Ein Blick auf die Straßen in den USA und den Umgang der US-Politikern mit den eigenen Bürgern, die tiefe Kluft zwischen den Schichten in diesem Land sowie die Niederträchtigkeit und Dummheit derjenigen, die für die Führung dieses Landes gewählt wurden, sowie ein Blick auf die dortige schreckliche Rassendiskriminierung und auf die Brutalität eines Dienstpflichtigen, der jemanden, der kein Verbrecher ist, auf der Straße vor den Augen der Passanten kaltblütig foltert und ermordet, verdeutlicht die Schwere der Moral- und Gesellschaftskrise in der westlichen Zivilisation und das Abirren und die Bedeutungslosigkeit ihrer politischen und wirtschaftlichen Philosophie. Das Vorgehen der USA gegen schwache Völker ist eine vergrößerte Version des Verhaltens dieses Polizisten, der einem verteidigungslosen Schwarzen sein Knie auf den Hals presst und solange weiterdrückt, bis dieser stirbt. Die anderen westlichen Regierungen liefern ebenso – jede entsprechend ihres Vermögens und ihrer Möglichkeiten - weitere Beispiele für diese katastrophalen Zustände.

 Der abrahamitische Hadsch ist ein prächtiges Gegenstück des Islams zu diesen modernen Auswüchsen der Unwissenheit. Dieser Hadsch ist der Aufruf zum Islam und die sinnbildliche Darstellung des Lebens in einer islamischen Gesellschaft. Die unentwegte Bewegung um die Achse der Einheit Gottes ist das klarste Zeichen für jenes Zusammenleben der aufrichtig Gläubigen. Unabdingbare Voraussetzung dazu sind die Enthaltung von Streit und Übergriffen, von Benachteiligung und aristokratischen Privilegien und von Verdorbenheit und Besudelung. Zu den Hauptpflichten gehört es, Satan mit Steinen zu bewerfen und sich von den Götzenverehrern zu distanzieren, sich unter diejenigen zu mischen, die tiefer eingestuft werden und den Bedürftigen zu helfen und die Riten der Gläubigen zu erhalten. Die mittelfristigen und Endziele bestehen darin, die Interessen der Allgemeinheit und das Allgemeinwohl in Begleitung mit der Erinnerung an Gott und der Dankbarkeit und der Dienstbarkeit gegenüber Ihm zu erreichen. Dieses summarische Bild von einer Islamischen Gesellschaft ist in dem Brauch des abrahamitischen Hadsches enthalten.

 Der Vergleich dieses Bildes mit der Realität in den westlichen Gesellschaften, die so viel Gutes von sich behauptet, erfüllt jeden einsatzbereiten Muslim mit der Begeisterung für Anstrengungen und den Kampf um die Erreichung einer solchen Gesellschaft. Wir Menschen im Iran haben dank der Rechtleitung und Führung des großen Imam Chomeinis mit einer solchen Begeisterung den Weg betreten und waren erfolgreich. Wir behaupten nicht von uns, dass wir das, was wir kennen und lieben, durchgehend verwirklichen konnten, aber wir können von uns sagen, dass wir auf diesem Weg ziemlich weit vorangekommen sind und viele Hindernisse auf ihm beseitigt haben. Dank des Segens, der sich aus dem Vertrauen in die Verheißungen des Korans ergibt, sind wir festen Schrittes geblieben. Der größte räuberische Satan der heutigen Zeit, nämlich das US-Regime, konnte uns nicht einschüchtern oder mit seiner List und Täuschung besiegen oder unseren materiellen und immateriellen Fortschritt verhindern.

 Wir betrachten alle muslimischen Völker als unsere Brüder und behandeln alle Nicht-Muslime, welche sich nicht der feindlichen Front angeschlossen haben, gut und gerecht. Wir betrachten den Kummer und die Schwierigkeiten der muslimischen Gemeinschaften als unsere eigenen Probleme und setzen uns für ihre Beseitigung ein. Es ist unser stetiges Anliegen, dem unterdrückten Palästina zu helfen, und das mit Wunden bedeckte Jemen unser Mitgefühl spüren zu lassen und Besorgnis um die unterdrückten Muslime an jedem Ort der Welt zu hegen. Wir betrachten es als unsere Pflicht, den Oberhäuptern einiger Muslimstaaten einen guten Rat zu geben; jenen Politikern, die, anstatt sich auf ihren Bruder im Islam zu stützen, in den Armen des Feindes Schutz suchen und - wegen eines kurzlebigen persönlichen Profits - die Erniedrigung und Erpressung des Feindes ertragen und die Ehre und Unabhängigkeit ihrer Nation verschleudern. Wir mahnen diejenigen, die die Fortdauer des unterdrückerischen zionistischen Besatzerregimes anerkennen und heimlich oder offen diesen Leuten freundschaftlich die Hand reichen. Sie sind es, die wir mahnen und vor den bitteren Folgen dieses Verhaltens warnen. Die Präsenz der USA in der Region Westasien betrachten wir als schädlich für die Völker in dieser Region und wir sind der Ansicht, dass diese Präsenz zur Störung der Sicherheit, zur Zerstörung der Länder und zu ihrer Rückständigkeit führt. Im Zusammenhang mit den aktuellen Ereignissen in den USA und den Vorfällen der Rassendiskriminierung in diesem Land ergreifen wir entschieden für die Bürger Partei und verurteilen das unmenschliche Verhalten des rassistischen Regimes dieses Staates.

Zum Abschluss möchte ich nach einem Friedens- und Segensgruß an Hadrate Baqiat-ul Allah (den Imam der Zeit – unser Leben sei ihm geopfert) des verstorbenen Imam (Chomeini) gedenken und die geläuterten Seelen der Märtyrer grüßen. Ich bitte Gott, den Allmächtigen, um einen sicheren, anerkannten und gesegneten Hadsch in naher Zukunft für die Islamische Weltgemeinde.

 Friede sei allen rechtschaffenen Dienern Gottes!

Seyyed Ali Khamenei

7. Dhul Hadscha 1441

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