Die Islamische Tagung 2018 in Hamburg

Die Islamische Tagung 2018 in Hamburg

Seit Jahrzehnten zieht die Islamische Tagung deutschsprachiger Muslime hunderte Teilnehmer ins Islamische Zentrum Hamburg

Seit Jahrzehnten zieht die Islamische Tagung deutschsprachiger Muslime hunderte Teilnehmer ins Islamische Zentrum Hamburg. Auch in diesem Jahr lud der Islamische Weg e. V. aus Delmenhorst vom Freitag, den 27. April, bis Sonntag, den 29. April 2018, bereits zum 23. Mal zu der alljährlichen Traditionsveranstaltung ein. Unter dem Motto „Antworten des Islam auf Fragen der Zeit“ versammelten sich rund 400 Personen jeden Alters zu Vorträgen, Workshops, Diskussionen, gutem Essen – und zu kurzen Nächten im Schlafsack auf dem ebenso gesegneten wie harten Boden der Imam Ali Moschee.

Die Tagung gilt unter deutschsprachigen Schiiten als ein Highlight, und ihre Besucher strömen aus der ganzen Bundesrepublik sowie aus Österreich und der Schweiz in die schöne Moschee an der Außenalster. Sie bietet die seltene Gelegenheit, zugleich Spiritualität zu tanken, sich islamisch weiterzubilden und natürlich auch alte Freunde und Bekannte wiederzutreffen sowie neue kennenzulernen. Erstmalige Besucher beeindruckt vor allem die islamisch-revolutionäre Atmosphäre, die in den Vorträgen und Gesprächen herrscht. Sie ist auch der Grund, weshalb viele Eltern mit ihren Kindern anreisen, um sie, zumindest für diese drei Tage, in ihrer Erziehung nach diesem Vorbild zu prägen.

Und wo geht das besser, als unter der türkisen Kuppel der Imam Ali Moschee, einer Einrichtung, die vom Vertreter Imam Chameneis, der Führungsfigur aller revolutionären Muslime, geleitet wird? Die bereits früh angereisten Gäste hatten noch vor dem eigentlichen Tagungsprogramm die Ehre, das Freitagsgebet hinter diesem Vertreter, Ayatullah Dr. Reza Ramezani, zu verrichten. Der Leiter des IZH empfahl den Gläubigen in seiner Freitagsansprache die Dankbarkeit als spirituelles Allheilmittel und unterstrich im zweiten, politischen Teil der Rede den Einsatz des Islams für die Rechte der Menschen und für die Gerechtigkeit.

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Auch das Tagungsprogramm suchte nach islamischen Antworten, die über das Alltägliche und das Private hinausgehen. Denn was bietet schon ein Islam, der auf die Herausforderungen unserer Zeit und der Spaltung in unserer Gesellschaft keine Antworten liefern kann? Der Islamische Weg e.V. kündigte an: „Die Anhänger der wahren Befreiungstheologie unserer Zeit empfinden den Islam und dessen Antworten auf die Fragen der Zeit nicht nur als modern, sondern zunehmend als einzige Chance zu wahrem Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit.“

In verschiedenen Formaten und mit unterschiedlichem Fokus erörterten Referenten, Teilnehmer und in separaten Programmen auch Kinder- und Jugendgruppen Antworten auf diese Fragen, stets begleitet von den wunderschönen Koranrezitationen des Weltmeisters Hassan Sadeghi. Die Publikumsdiskussion mit dem (nur gespielten) „Islamkritiker“ Prof. Dr. Müller legte offen, dass bei vielen Muslimen, auch unter den Tagungsbesuchern, argumentative Schwächen vorliegen, welche im Rahmen dieses Programmpunktes ausgeräumt werden sollten. Abgerundet wurde der erste Abend mit einem Vortrag von Dr. Kurban Tanis über den Islam in Deutschland, der die Lebenswirklichkeit der Muslime im Alltag und im Beruflichen behandelte und ein größeres Vertrauen auf Allah, aber auch ein stärkeres Zusammenwachsen der Muslime untereinander, forderte.

Der Höhepunkt der Tagung begann nach einer kurzen Nacht und einem gemeinsamen Frühstück am Samstagmorgen: Ein inhaltlich breit gefächerter Vortrag Ayatullah Ramezanis leitete eine ebenso breit gefächerte wie lebhafte und spannende Diskussion ein. Der Großgelehrte behandelte aktuelle Themen wie ein drohendes Kopftuchverbot, aber auch Dauerbrenner, wie die Neigung der jungen Muslime zum späten Heiraten mit wiederholtem Verweis auf die Verse des heiligen Korans, die uns Antworten darauf geben, wie wir den Islam in unserem eigenen Leben implementieren. Antworten wurden auch zu den Fragen der Teilnehmer geliefert: Darf man Kinder adoptieren? Wie gehen Schüler mit der psychischen Belastung des dauernden Rechtfertigungsdrucks als Muslim um? Auch zu seinen eigenen Arbeiten stand der Ayatullah Rede und Antwort und ging zum Beispiel detailliert auf die Frage ein, was er denn persönlich gegen den Missstand tue, dass einige Gelehrte Fragwürdiges erzählten.

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Nach dem anschließenden leckeren Mittagessen – die fleißigen Köche und Helfer zauberten eine traditionelle iranische Köstlichkeit – und dem gemeinsamen Gebet trennten sich die Teilnehmer in verschiedene Workshops ihrer Wahl. Die jeweiligen Gruppenleiter gaben in den Gruppen für die unten genannten Themen Impulse und leiteten die sehr lebhaften Diskussionen:

  • Richtiger Umgang in der muslimischen Kindererziehung in Deutschland
  • Pflichten und Rechte eines Ehemannes (nur für Männer)
  • Pflichten und Rechte einer Ehefrau (nur für Frauen)
  • Dialog mit Nichtmuslimen
  • Rechte und Pflichten bei Demonstrationen und Veröffentlichungen
  • Diskussion mit Atheisten
  • Koranlesen mit einem Weltmeister

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Nach einer längeren Mittagspause und abermals gutem Essen gab es für die Teilnehmer des Überraschungsabends in einem ausführlichen Rätsel über den Islam in Deutschland und Österreich etwas zu gewinnen. Einem längeren Lied folgte ein Videoclip des kürzlich verstorbenen Ayatullahs Haeri Schirazi, in dem er die Frage beantwortet, wie es sich im Islam mit Menschen verhält, die nicht an Gott glauben, jedoch gute Werke verrichten.

Das anschließende gemeinsame Gebet und das gemeinsame Dua leiteten schließlich die Nachtruhe ein – aber nicht für alle Teilnehmer. Denn ab 23:00 Uhr boten Dr. Yavuz Özoguz und Muvahhid Özoguz den Jugendlichen ein spirituelles Nachtprogramm. Bei Kerzenschein und in ruhiger Atmosphäre nahm dann auch der größte Teil der anwesenden Jugendlichen diese Gelegenheit wahr und verzichtete dafür auf zwei Stunden Schlaf, die ihnen so entgingen.

Nach der wieder kurzen Nacht und einer Stärkung behandelte Huseyin Özoguz am Sonntagmorgen das Führungskonzept des Islams. Der Vortrag, der eine rege Teilnahme der Zuhörer entfachte, diskutierte unter anderem die Frage, wie die Muslime zu reagieren haben, wenn ihnen ein nicht geeigneter Imam vorsteht und ob eine Spaltung der Umma in so einem Falle angemessen sei, oder ob eher die Muslime ihren Ärger für eine Zeit herunterzuschlucken haben. Das Ergebnis war vom Credo der Einheit und der Nichtspaltung gekennzeichnet.

In einem weiteren kleinen Höhepunkt präsentierten die Kinder- und Jugendgruppen einige Ergebnisse ihrer Gruppenarbeiten. Die Kleinen und Kleinsten präsentierten süße Bilder und Erzählungen und die jüngeren Jugendlichen stellten ihr schauspielerisches Können in lustigen Sketchen und einer gespielten Podiumsdiskussion zur Schau. Zum Abschluss gab die ältere Jungengruppe gemeinsam mit dem Publikum ihren Gesang in einem revolutionär-islamischen Lied zum Besten.

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Im Abschlussvortrag verabschiedete Dr. Yavuz Özoguz die Tagungsteilnehmer mit dem Thema „Rückkehr zum wahren Islam“. Mit der Botschaft, dass jeder einzelne von uns den Islam selbst leben kann und soll, und mit einer letzten Stärkung durch Mittagessen und Mittagsgebet im Gepäck verließen die Gäste die schöne Moschee an der Alster. Beim Abschied von einigen lieben Geschwistern und aus Trauer über das Ende der diesjährigen Tagung floss auch die eine oder andere Träne. Aber es dominierte das Glück über die gelungene Veranstaltung – und die Vorfreude auf die nächste Tagung im Jahr 2019, so Gott will.


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