Saudi-Arabien

Jamal Khashoggi und Saudi-Arabien: Mohammed bin Salman ist ein gefährlicher Mann

Jamal Khashoggi und Saudi-Arabien: Mohammed bin Salman ist ein gefährlicher Mann

Angela Merkel preist Saudi-Arabien gern als Stabilitätsanker im Nahen Osten. Nicht erst das Verschwinden des Journalisten Jamal Khashoggi zeigt, dass dieses Bild überholt ist. Schuld daran trägt Kronprinz Mohammed bin Salman.

Irgendetwas Schlimmes muss Jamal Khashoggi zugestoßen sein. Vor sechs Tagen, am Dienstagmittag um 13.30 Uhr, hatte der Publizist einen Termin im Istanbuler Konsulat seines Heimatlandes Saudi-Arabien. Seither gibt es kein Lebenszeichen mehr von ihm.

Türkische Regierungskreise beschuldigen das Königreich, Khashoggi umgebracht zu haben. Ermittler wollen herausgefunden haben, dass ein Team von 15 Agenten nach Istanbul gereist sei, den Journalisten im Konsulat ermordet und dann außer Landes gebracht habe.

Saudi-Arabien weist diesen Vorwurf zurück - bleibt aber bislang eine überzeugende Erklärung dafür schuldig, was mit Khashoggi passiert ist. Das Herrscherhaus behauptet, er habe das Konsulat nach kurzer Zeit verlassen. Einen Beleg dafür liefert Riad nicht.

Die Überwachungskameras, die den Ein- und Ausgang des Konsulats filmten, seien am Dienstag leider ausgefallen. Khashoggis Verlobte Hatice Cengiz bestreitet kategorisch, dass er das Gebäude am vergangenen Dienstag verließ. Sie habe bis nach Mitternacht vergebens auf den Mann gewartet, den sie am nächsten Tag heiraten wollte.

Wahrscheinlich sind zwei Szenarien: Entweder Khashoggi wurde tatsächlich im Konsulat ermordet. Oder Agenten haben den 60-Jährigen nach Saudi-Arabien verschleppt. In jedem Fall liegt die Verantwortung für Khashoggis Schicksal in den Händen des saudischen Regimes. Und wenn einer der prominentesten Kritiker an der Politik des Herrscherhauses in einem saudi-arabischen Konsulat verschwindet, dann passiert das nicht ohne Wissen und Billigung des starken Mannes in Riad: Kronprinz Mohammed bin Salman, besser bekannt unter seinem Kürzel MBS.

Im Januar 2015 bestieg sein Vater Salman den Königsthron in Riad. Damit begann auch der Aufstieg seines Lieblingssohnes Mohammed. Zunächst machte er den damals gerade 29-Jährigen zum Verteidigungsminister. Im Juni 2017 kürte er MBS dann zu seinem Thronfolger. In den vergangenen dreieinhalb Jahren hat der heute 33-Jährige den Kurs seines Landes grundlegend geändert, innen- wie außenpolitisch.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) hatte diese Entwicklung vorhergesehen. Schon im Dezember 2015 - MBS war noch nicht einmal ein Jahr in der ersten Reihe der saudischen Herrscherfamilie - warnte der deutsche Auslandsgeheimdienst vor dem damaligen Verteidigungsminister: "Die bisherige vorsichtige diplomatische Haltung der älteren Führungsmitglieder der Königsfamilie wird durch eine impulsive Interventionspolitik ersetzt", hieß es damals in einer BND-Analyse.

Es bestehe die Gefahr, dass MBS "die Beziehungen zu befreundeten und vor allem alliierten Staaten der Region überstrapaziert". Der Königssohn sei bereit, beispiellose "militärische, finanzielle und politische Risiken einzugehen, um regionalpolitisch nicht ins Hintertreffen zu geraten".

Die Bundesregierung distanzierte sich wenig später deutlich von der Analyse ihre Geheimdienstes. "Die Einschätzungen des BND zu Saudi-Arabien spiegeln nicht 1:1 die Haltung der Bundesregierung wider", hieß es aus Regierungskreisen. Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnet Saudi-Arabien ohnehin gern als Stabilitätsanker im Nahen Osten. MBS sorgt mit seiner aggressiven Politik dafür, dass dieses Diktum längst nicht mehr stimmt.


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