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Zwischen Budapest und Mekka

Zwischen Budapest und Mekka

Regierungsnahe Medien konfrontieren einen führenden Rechtsaußenpolitiker mit seiner islamophilen Vergangenheit. Dessen Partei schlägt mit anderen Vorwürfen zurück.

„In der Dunkelheit der Globalisierung ist für mich der Islam der letzte Lichtstrahl.“ Wer hat's gesagt? Ein frommer Muslim? Ein konservativer Prediger? Die richtige Antwort lautet: Gábor Vona, Vorsitzender der ungarischen Rechtsaußenpartei Jobbik. Ein Video, das von dem Webportal Mandiner in der vergangenen Woche veröffentlicht wurde, zeigt den ungarischen Politiker während eines Türkeibesuchs auf einer Pressekonferenz.

Neben der Islam-Aussage fallen darin weitere Sätze, die für Politiker rechter Parteien in Europa eher untypisch sind. „Jeder Türke ist mein Bruder“, sagt Vona dort, und führt weiter aus: Wenn ein Ungar einen Türken treffe, dann würden sich beide nach zwei Minuten verstehen; mit einem Franzosen hingegen könne man zwei Jahre reden und würde trotzdem keine gemeinsame Sprache finden. Gegen Ende der Videosequenz lässt Vona verlauten: „Auf meiner Facebook-Seite habe ich langsam mehr türkische Freunde als ungarische.“

Mehrere solcher Videos und Aufnahmen, in denen sich Vona anerkennend bis bewundernd über den Islam oder muslimische Länder äußert, machten in den vergangenen Tagen die Runde auf regierungsnahen ungarischen Webportalen wie Origo, Ripost oder Mandiner. Einmal posiert der Jobbik-Vorsitzende mit entschlossenem Blick vor einer Moschee, ein anderes Mal geht es um islamfreundliche Äußerungen in Vonas Autobiographie. Im Jahr 2003, also noch vor der Gründung von Jobbik, soll Vona im Jemen auf einer arabischen Konferenz eine Rede gehalten haben. Ausrichter sei demnach die jemenitische Schwesterorganisation von Saddam Husseins Baath-Partei gewesen, schreibt Origo.

Hohe Wellen schlägt ein Video, in dem Vona vor türkischen Studenten eine Rede auf Türkisch hält. Das Video ist mit ungarischen Untertiteln versehen, laut denen der Jobbik-Vorsitzende sagt: „Wir sind die Enkel Attilas, deren Grundprinzip die Gerechtigkeit ist und die sich vor nichts fürchten außer Allah.“ Frenetischer Applaus brandet auf, die Menge ruft wiederholt: „Bozkurt Vona“. Bozkurt ist die türkische Bezeichnung für den mythischen Grauen Wolf, Namensgeber einer Organisation türkischer Ultranationalisten aus dem Umfeld der Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP).

Vona verteidigt sich in einer Stellungnahme auf Facebook: Fidesz versuche, „mit einer uralten und lächerlichen Lüge“ die Aufmerksamkeit vom eigenen Versagen abzulenken. „Die Wahrheit ist, dass ich nicht Allah gehuldigt habe, sondern Gott, der zufälligerweise auf Türkisch so heißt.“ Als Beleg fügt er einen Screenshot des Übersetzungsdienstes Google Translator bei, wo das Wort „Gott“ auf Türkisch mit „Allah“ übersetzt wird.

Wahlkampagne gegen Jobbik?

Für die Autoren von Origo aber steht fest: „Gábor Vona hat stets die Interessen des Islams vertreten.“ Doch warum werden ausgerechnet jetzt reihenweise Aufnahmen als „Enthüllungen“ ans Licht gebracht, die allesamt aus früheren Jahren stammen? Vona selbst deutet auf einen Zusammenhang mit dem laufenden Wahlkampf hin. Er rechne mit einer „niederträchtigen Kampagne des Fidesz“ auch in den kommenden Wochen, sagte der Jobbik-Vorsitzende am Montag dem Nachrichtensender Hír TV. Am 8. April wählen die Ungarn ein neues Parlament – die Nationalkonservativen um Viktor Orbán würden am liebsten wieder mit einer Zweidrittelmehrheit regieren, während Jobbik als mittlerweile stärkste Oppositionspartei zum ersten Herausforderer seiner regierenden Fidesz-Partei geworden ist.


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