Polen

Wenn Liebe wählt

Wenn Liebe wählt

Das katholisch-patriotische Lager Polens nutzt einen christlichen Radiosender als Sprachrohr – und hetzt dort auf derbe Weise gegen muslimische Flüchtlinge. Dagegen gibt es nun Widerstand.

Szenen aus einem hadernden Land. Vorspiel: Im Herbst 2015, auf dem Höhepunkt der großen Wanderung syrischer Flüchtlinge nach Europa, führt in Polen Jaroslaw Kaczynski Wahlkampf, der Kopf der damals noch oppositionellen nationalen Rechten. Die liberale Regierung hat gerade der Europäischen Union versprochen, aus dem Strom der Fliehenden einige tausend aufzunehmen – da wittert er seine Chance. Seine Partei gibt sich katholisch-patriotisch, und Kacyznski kennt seine Wähler. Flüchtlinge? – „Bakterien und Parasiten“ bringen diese Fremden. Seht nur nach Westen: „Scharia-Zonen“ überall, und in Italien pinkeln sie in die Kirchen.

Winter 2017/2018. Kaczynski hat längst gewonnen, aber bei Radio Maryja, Polens wichtigstem angeblich christlichen Sender, hallt immer noch das Echo der Parasiten-Rede nach. Der „Pater Direktor“ des Senders, der Redemptoristenmönch Tadeusz Rydzyk, feiert Kaczynskis Sieg als „Wunder“ und als Ausdruck der „Liebe Gottes“, die Bakterienmetapher steht bei Radio Maryja weiter in Ehren. Von islamisch „infizierten“ Ländern ist da die Rede, und zwischen Rosenkränzen erfährt der Hörer, dass der Satan „meist arabisch“ spricht. Ein Gläubiger ruft an: Diese ganzen Muslime, die jetzt alle kommen, das ist „eine Armee zur Unterwerfung Europas“. Keine Widerrede.


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