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Salah ist groß

Salah ist groß

Mit seinen Toren verzückt der Ägypter Mo Salah Jürgen Klopp und Liverpool. Die arabische Welt verehrt ihn als Botschafter. Dabei gab es mal einen Zwischenfall.

In den Märkten von Kairo sind sie für ungefähr zehn Euro zu haben. Manche sind kleine, elektronisch leuchtende Statuen aus Kunststoff. Andere sind eher traditionell gestaltet, zeigen nur das lächelnde Gesicht von Mohamed Salah. Es sind Ramadan-Laternen, die normalerweise während des Fastenmonats als Dekoration dienen. Dieses Jahr ist das etwas anders: Mit religiösen Symbolen ehren sie in Ägypten, aber nicht nur dort, ihren großen Fußballstar.

In den Wochen vor dem Fastenmonat Ramadan, der am 16. Mai beginnt, feiern die Ägypter einen neuen Volkshelden. Einen Fußballspieler, der, nach dem für Muslime heiligen Monat, sein Land bei der WM in Russland anführen wird. Einen Stürmer, der in dieser Saison zu den besten der Welt gehört und an diesem Mittwochabend den FC Liverpool ins Champions-League-Finale schießen soll.

Salah schoss in dieser Saison 43 Tore in 47 Spielen. Er wurde zum besten Spieler in der an Stars nicht armen Premier League gewählt. Einen Vereinsrekord des großen Ian Rush könnte er noch einstellen. Vergangene Woche schoss er seinen neuen Club Liverpool im Hinspiel gegen seinen alten Club Rom mit zwei Toren und zwei Assists zum Sieg. Wie nach jedem Tor dankte er auch dort Allah. Salah, 25, ist Muslim, ägyptischer Nationalheld und Hoffnungsträger der arabischen Welt. Seine Geschichte von früher, fünfmal pro Woche stundenlang mit dem Bus zum Training nach Kairo und zurück zu fahren, ist nun die Vorlage für Millionen junger Ägypter. Mit Disziplin und Willen ist alles möglich, Salah macht es ihnen vor.

Selbst Liverpools Fans machen mit. Ihren ägyptischen König feiern sie für seine Sprints und sein Füßchen, mit dem er Traumtore wie das 1:0 gegen Rom hinzaubert. Aber, und das ist fast noch beachtlicher: Sie singen auch von seiner Religion. "If he scores another few then I’ll be a Muslim too" ist zum Schlager in den Liverpooler Tribünen geworden. Übersetzt man den bierseligen Chant, heißt das in etwa: Schießt Salah noch mehr Tore, werden wir auch Muslime. Es ist zwar wie jeder englische Fangesang nicht ganz so ernst gemeint. Aber in einer Zeit, in der Muslime in Europa einer neuen Islamfeindlichkeit ausgesetzt sind, verblüfft es trotzdem, wenn Tausende weiße Fußballfans vor Freude davon singen, zum Islam konvertieren zu wollen.

In Liverpool, einer Stadt mit etwa 15.000 muslimischen Einwohnern, feiern nur wenige den Ramadan. Dafür ist Salah hier, in einer der beiden englischen Fußballhauptstädte, genauso beliebt wie in Kairo. "Als ich den Gesang zum ersten Mal hörte, musste ich lachen", sagt Ahmed Musleh, ein 38-jähriger Liverpool-Fan, der wie Salah bekennender Muslim ist. "So sind wir Scousers halt, wir nehmen das Leben nicht allzu ernst."

Musleh ist Liverpudlian durch und durch und seit drei Jahrzehnten Fan der Reds. Eine Dauerkarte hat er an der Anfield Road immer noch, obwohl er seit zwölf Jahren nicht mehr in der Stadt wohnt. Als er anfing, ins Stadion zu gehen, sagt Musleh, war sein Held John Barnes, einer der wenigen nichtweißen Spieler auf dem Platz, und er einer der wenigen nichtweißen Fans auf den Rängen. Heutzutage ist alles anders. Die Mannschaft ist längst so vielfältig wie die Hafenstadt Liverpool, die bekanntlich stolz ist auf ihre Geschichte von Migration und Toleranz. Und trotzdem ist Mo Salah etwas Besonderes.

"Salah versteckt sich nicht", sagt Musleh. "Er ist stolz auf seine Herkunft, auf seiner Religion, und das gibt den Leuten einen anderen Blick auf den Islam. In einer Zeit, als die Islamophobie an einem Höhepunkt ist, hat Salah sie ein Stück weit entschärft."

Dem Fußball bleibt diese Islamophobie natürlich nicht erspart. 2013 zum Beispiel wurde eine Gruppe von muslimischen Fans von West Ham United verhöhnt und bedroht, als sie im Stadion beteten. Im vergangenen März hat die Premier League vor einer wachsenden Präsenz der islamophoben Gruppe Football Lads Alliance in englischen Stadien gewarnt. Er sei stolz darauf, sagt Musleh, dass solche Gruppen in Liverpool immer auf heftigen Gegenprotest treffen.

So verblüffend der Gesang über Salah sein mag, es sagt viel über die Wirkung von Mo Salah. Nach dem Spiel gegen Rom schrieb die muslimische BBC-Journalistin Rabiya Limbada darüber, wie wichtig es für ihre Kinder sei, ein muslimisches Vorbild in der Popkultur zu haben. "Kinder haben wegen der Nachrichten oft Bedenken, ihre islamische Herkunft offen zu zeigen", schrieb Limbada. "Es ist also nicht überraschend, dass ein Spieler wie Salah Stolz in ihren Herzen zündet".

Dabei ist Salah bei Weitem nicht der erste oder einzige muslimische Fußballspieler in England, der seine Religion offen auslebt. Als er vergangene Woche zu Englands Spieler des Jahres gewählt wurde, wurde Salah nach Leicesters Riyad Mahrez 2016 und Chelseas N’Golo Kanté 2017 der dritte Muslim in Folge, der diese Auszeichnung gewann. Auch Spieler wie Yaya Touré, Mesut Özil und Salahs Liverpool-Mitspieler Sadio Mané und Emre Can haben auf dem Platz kein Geheimnis aus ihrer Religion gemacht. Trotzdem ist es vor allem Salah, dessen Glauben immer wieder thematisiert wird und der bei manchen als Aushängeschild seiner Religion gilt.


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