Deutschland

Naeem hat alles gesehen

Naeem hat alles gesehen

Aiman Mazyek führt syrische Flüchtlinge durch das frühere Konzentrationslager Buchenwald. Er möchte ihnen dabei etwas über Deutschland beibringen – und über sich selbst.

Als Aiman Mazyek an einem Freitagvormittag in der Regionalbahn 92615 von Erfurt nach Weimar fährt, will er das nicht als etwas Besonderes verstanden wissen. Mit Nachdruck sagt der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime: „Das ist aber kein Event. Das ist und bleibt kein Event.“ Und tatsächlich geschieht vieles, das kein Event ist. Der Waggon schaukelt. Im Fenster ist eine verwischte Landschaft zu sehen, hier mal eine Kuh, dort ein Traktor. Mazyek schaut raus. Mit Anzug und Krawatte sitzt er breitbeinig auf einem buntgescheckten Plastiksitz, als die Schaffnerin kommt und in melodischem Thüringisch nach dem Fahrschein fragt. Mazyek hat aber keinen Fahrschein. Den hat Thaer Issa vom Patenschaftsbüro des Zentralrats, weshalb Mazyek in Issas Richtung zeigt, der irgendwo hinten im Waggon sitzt.

Die Schaffnerin weiß nicht, wie Herr Issa aussieht, also tapst sie weiter. Issa winkt aber schon, alles wird gut – wäre da nicht die Sache mit dem Fahrschein. Der ist nämlich ein Gruppenticket. Und die Gruppe besteht aus zwei Dutzend syrischen Flüchtlingen. Fahrtziel: die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Buchenwald. Das ist es, was Mazyek nicht als „Event“ bezeichnen will – obwohl es nach einer Monate dauernden Debatte über Antisemitismus unter muslimischen Migranten schon nach einem Ereignis klingt: Der Zentralratsvorsitzende sitzt in der Regionalbahn 92615, um muslimischen Flüchtlingen ein deutsches Konzentrationslager zu zeigen.


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