Theologin untersucht „Neurechtes Christentum“

  • News Code : 865498
  • Source : iq
Brief

Es ist eine kleine Minderheit, die über das Internet und Soziale Medien Krawall macht und Andersdenkende beeinflussen oder mundtot machen will. So beschreibt die Tübinger Gastprofessorin Strube im Interview neurechte christliche Strömungen und spricht auch über die AfD und Pegida.

Frau Strube, warum haben Sie sich als eine der ersten dem Themenfeld Rechtspopulismus und Christentum zugewandt?

Wo macht sich dieses Milieu bemerkbar?

Strube: Vor allem online. Das schlimmste Beispiel war die rechtsextreme und antisemitische Internetseite „kreuz.net“, die mittlerweile nicht mehr existiert. Aber auch auf deutlich gemäßigteren Portalen zeigt sich in den Leserspalten eine Radikalisierung in Richtung menschenfeindlicher Einstellungen und Abwertung Andersdenkender. Das Weltbild in solchen Foren wird immer abgeschlossener: Der Islam gilt ihnen nicht als Religion, sondern als eine Ideologie. Außerdem geht es um den Kampf gegen eine vermeintliche Genderideologie, um Fremden- und Frauenfeindlichkeit. Offener Antisemitismus wird indes meist eher abgelehnt.

Ich beobachte, dass politisch Rechtsgerichtete versuchen, sich mit kirchlich Engagierten zu vernetzen. So hat die Gruppe „Demo für alle“ auch eine Werbefunktion für die AfD, wenn deren Protagonisten beispielsweise neben dem emeritierten österreichischen Weihbischof Andreas Laun auf der Rednerbühne stehen. Auf diese Demos gehen auch Mitglieder der Identitären Bewegung, die von Verfassungsschutzämtern als rechtsextrem eingestuft wird, sich aber gerne ein intellektuelles und Greenpeace-mäßiges Image geben. Rechte Gruppierungen wollen auf diese Weise den Eindruck erwecken, sie gehörten zum bürgerlichen Lager und es ginge ihnen um christliche Werte.

Sehen Sie Kontakte zu Pegida?

Strube: Mit ihren schrillen Parolen hat sich Pegida selbst ins Abseits befördert. Im bürgerlich-christlichen Milieu lässt sich damit schlecht fischen. Krawall stößt ab.

Dann dürfte es bei neurechts orientierten christlichen Milieus auch keine Gewaltbereitschaft geben?

Strube: Die sehe ich hierzulande bislang nicht. Es gibt verbale Angriffe und vor allem Forderungen nach harten kirchlichen Strafen wie der Exkommunikation für die, die anders denken. Die Einstellungen sind stark autoritär geprägt.

Wo stehen diese Neurechten innerkirchlich?

Strube: Was Frömmigkeitsformen angeht, so besteht eine Nähe zu Traditionalismus und Antimodernismus. Diese Menschen tun sich mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sehr schwer, wollen aber auch nicht unbedingt zu den Piusbrüdern.


Posten Sie Ihre Kommentare

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet

*

Arba'een
Mourining of Imam Hossein
Hadsch-Botschaft des Revolutionsoberhauptes Ajatollah Khamenei 2017
پیام امام خامنه ای به مسلمانان جهان به مناسبت حج 2016
We are All Zakzaky