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Beten zwischen Gärtnerei und Autowerkstatt

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In Erfurt hat die Ahmadiyya-Gemeinde den Grundstein für ihre erste Moschee in Ostdeutschland gelegt. Im Vorfeld schlug den Gläubigen viel Ablehnung entgegen.

Also für mich ist das ein Wunder“, sagt Suleman Malik, aber noch ist von dem Wunder nichts zu sehen. Am Tag vor der Grundsteinlegung steht der Sprecher der Thüringer Ahmadiyya-Muslime in einem kleinen, weißen Zelt und zeigt auf eine Mulde, in die tags darauf der Grundstein für die Erfurter Moschee gelegt werden soll. „Wir richten den Stein in Richtung Mekka aus“, erklärt Malik. „Hier wird künftig der zentrale Punkt unserer Moschee sein.“ Draußen planieren Männer mit Radlader und Rüttelplatte den Baugrund, damit während der Zeremonie niemand im Schlamm waten muss; auch ein Festzelt mit Stühlen für gut 100 Gäste haben sie aufgebaut, denn es ist ein großer Tag: Der Bundesvorsitzende der Ahmadiyya-Gemeinde, Abdullah Uwe Wagishauser, wird kommen, auch Bodo Ramelow, der Thüringer Ministerpräsident, Andreas Bausewein, der Erfurter Oberbürgermeister, sowie Vertreter der jüdischen Gemeinde und der christlichen Kirchen Thüringens.

Der Neubau in Erfurt ist – abgesehen von Berlin – der erste der Ahmadiyya-Gemeinde im Osten Deutschlands, und es war ein langer, schwieriger Weg bis hierhin. „Eine Moschee zu bauen ist so kompliziert wie ein Atomkraftwerk“, sagt Malik, der seit 17 Jahren in Thüringen lebt. Sein Vater war 1990 aus Pakistan geflohen, er hatte in Deutschland Asyl erhalten und war eher zufällig in Erfurt gelandet. Zehn Jahre später kamen seine Frau und drei Kinder nach, darunter Suleman; ein viertes Kind ist in Deutschland geboren. Inzwischen ist Suleman Malik selbst verheiratet und hat drei Kinder; die Familie lebt in einem Plattenbau-Hochhaus im Norden der Landeshauptstadt, drei Zimmer, Küche, Bad, und bis heute ist die Wohnung auch eine der Gebetsstätten der Gemeinde. Mal kommen zwei Dutzend, mal nur eine Handvoll Mitglieder zum Gebet vorbei, doch spätestens im kommenden Jahr soll das Provisorium ein Ende haben. Dann soll die Moschee stehen, mit Platz für bis zu 200 Menschen. „Sie wird unser zentraler Begegnungsort“, sagt Malik, der hofft, dass damit auch die Gemeinde wieder wächst. In den neunziger Jahren habe es in Thüringen schon mal 400 Mitglieder gegeben, zurzeit sind es kaum noch 100, überwiegend Studenten und Flüchtlinge.

„Wir wollen raus aus den Hinterhöfen und endlich für alle sichtbar werden“, erzählt Malik, der mehrfach betont, wie sehr er Deutschland, das Grundgesetz und die Religionsfreiheit schätzt. Die Ahmadiyyas sind eine kleine Gemeinschaft mit hierzulande rund 45 000 Mitgliedern. Weltweit gehört der politisch liberalen, aber religiös konservativen Gemeinschaft, die etwa strikt auf die Trennung von Frauen und Männern achtet, rund ein Prozent der Muslime an. Sie wurde 1889 im von den Briten besetzten Indien gegründet und versteht sich selbst als Vertreterin eines friedlichen Islam, gilt allerdings in vielen islamischen Ländern als Sekte, deren Mitglieder verfolgt werden. „Für die Regierung in Pakistan sind wir Häretiker“, sagt Suleman Malik. Die Ahmadiyya-Gemeinde gilt dort offiziell als „unislamisch“, das Oberhaupt der weltweiten Gemeinde, der Kalif, lebt im Exil in London.

Die religiöse Verfolgung in Pakistan werde immer schlimmer, sagt Malik und verweist auf den aktuellen Fall Asia Bibis. Die Katholikin war wegen Blasphemie 2010 zum Tode verurteilt und kürzlich freigesprochen worden, woraufhin es in dem Land tagelang gewalttätige Proteste islamistischer Fundamentalisten gab. Bibi fürchtet seitdem um ihr Leben, Deutschland hat ihr Asyl angeboten. Malik sagt, dass mindestens fünf Ahmadiyya-Mitglieder ebenfalls wegen Gotteslästerung in Pakistan in Haft säßen. Auch wegen dieser Erfahrungen schätze er Deutschland sehr. „Hier können wir unsere Religion frei leben.“ Daran änderten auch die Anfeindungen nichts, denen er und andere Gemeindemitglieder bisweilen in Erfurt ausgesetzt seien. „Ich bin schon angeschrien, getreten und bespuckt worden“, erzählt Malik. Erst am vergangenen Wochenende, als er auf dem Weg zum Bauplatz war, habe ein Moped-Fahrer neben ihm gehalten und ihn unvermittelt angespuckt.


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