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Links, Frau, Muslima

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Rashida Tlaib wird im November als erste muslimische Frau in den amerikanischen Kongress einziehen. Die Demokratin aus Michigan ist Teil eines Trends – der viel mit Donald Trump zu tun hat.

„Ihr habt etwas Besseres verdient als das, was wir im Moment in unserem Land haben“, rief Rashida Tlaib ihren Anhängern zu, nachdem sie in der vergangenen Woche die demokratische Vorwahl im 13. Kongressdistrikt von Michigan gewonnen hatte. Tlaib hat keinen republikanischen Gegenkandidaten: Im November wird sie als erste muslimische Frau ins Abgeordnetenhaus einziehen. Die einzigen beiden Abgeordneten, die sich zur islamischen Religion bekennen, sind bislang Andre Carson aus Indiana und Keith Ellison aus Minnesota. Die 42 Jahre alte Tlaib wird von den „Demokratischen Sozialisten Amerikas“ unterstützt und gilt als Vertraute von Alexandria Ocasio-Cortez, die mit einer für amerikanische Verhältnisse ausgeprägt „linken“ Plattform antrat und sich im Juni überraschend in einem New Yorker Wahlbezirk durchsetzte.

Die Demokratin Tlaib ist Teil eines Trends, der nicht zuletzt auf Donald Trump zurückzuführen ist: Immer mehr Frauen lassen sich für öffentliche Ämter aufstellen. Laut dem Magazin Bloomberg traten oder treten über 300 Frauen bei den Vorwahlen der Parteien an. Bislang sind 183 Frauen für den Kongress aufgestellt, elf für Gouverneursposten. Die meisten sind Demokratinnen. Zur Zeit sind in beiden Kammern des Kongresses zwanzig Prozent Frauen vertreten: Es gibt 23 Senatorinnen und 84 weibliche Abgeordnete – insgesamt hat der Kongress 535 Mitglieder.

Das älteste von 14 Kindern

Auch Muslime kandidieren derzeit so häufig wie seit dem 11. September 2001 nicht mehr: 90 sind es landesweit bei regionalen und bundesweiten Wahlen für Parlamente, Verwaltungs- und Richterämter. Auch Aktivisten, die sich vorher lieber aus der offiziellen Parteipolitik heraushielten, landen immer öfter auf dem Wahlzettel.

Tlaib, die das älteste von 14 Kindern ist, will vor allem für bessere Chancen von Menschen mit geringem Einkommen und gegen Diskriminierung kämpfen. Wie Ocasio-Cortez und andere linke Demokraten aus dem Umfeld des früheren Präsidentschaftsbewerbers Bernie Sanders fordert sie einen Mindestlohn von 15 Dollar. Auch, dass es seit Donald Trumps Wahl immer mehr so genannte „hate crimes“, Hassverbrechen also, gibt, motiviert Tlaib. Muslime werden häufig zu Opfern: „Wir treten an, um das zu ändern“, verspricht sie.

Anders als Ocasio-Cortez ist Tlaib kein politischer Neuling: Sie saß bis 2014 sechs Jahre lang im Parlament des Staates Michigan und arbeitete als Anwältin für eine Bürgerrechtsorganisation. Die Politikerin, deren Eltern aus dem Westjordanland einwanderten, wartete am Wahlabend bis drei Uhr nachts, bis sie ihren Sieg feierte – zu unwahrscheinlich schien der Erfolg. Nach der Auszählung hielt sie die Tränen nicht zurück und bedankte sich bei ihrer Familienmitgliedern in Palästina, die „den ganzen Morgen vor dem Fernseher saßen und mitfieberten“, wie sie ihren jubelnden Fans erzählte.

Starke Konkurrenten

Tlaib ist eine typisch amerikanische Muslima: Für sie gibt es keinen Widerspruch zwischen amerikanischem Patriotismus und ihrer Religion, weil für sie Amerika selbst das Zusammenleben verschiedener Kulturen, Religionen und Sprachen bedeutet. Dazu passte, dass die Wahlsiegerin sich auf der Bühne von ihrer Mutter in die palästinensische Flagge einhüllen ließ – und gleichzeitig versprach, die vielen Dinge zu bekämpfen, die an der Trump-Regierung „unamerikanisch“ seien.

Tlaib wird im Abgeordnetenhaus auf John Conyers folgen. Der 89 Jahre alte Politiker gab seinen Posten auf, nachdem er von mehreren früheren Mitarbeiterinnen der sexuellen Belästigung beschuldigt worden war. Dass Tlaib die demokratische Vorwahl gewinnen würde, war keineswegs ausgemacht: Sie hatte fünf starke Konkurrentinnen und Konkurrenten, die in Detroit gut vernetzt sind.

Teile der Stadt liegen im 13. Wahlbezirk. Dass ausgerechnet hier, in einem der ehemaligen industriellen Zentren Amerikas, eine muslimische Frau gewonnen hat, gilt manchen Beobachtern als besonders bemerkenswert. Es zeigt aber auch den Wandel Detroits. Immer mehr Zuwanderer kommen hierher, nutzen die billigen Mieten und bauen aus den Trümmern der alten Auto-Metropole etwas Neues auf. In Tlaibs Wahlkreis wohnen 33 Prozent Weiße und sieben Prozent Latinos, Schwarze stellen mit 56 Prozent die Mehrheit.

Angriffe von rechts

Obwohl Tlaib im Wahlkampf nicht ihre muslimische Identität in den Mittelpunkt stellte, sondern Themen wie die Reform der Krankenversicherung, greifen ihre Gegner sie als Protagonistin linker und palästinensischer „Identitätspolitik“ an. Am vergangenen Samstag störte eine rechte Aktivistin namens Laura Loomer eine Wahlkampfveranstaltung von Tlaib und ihrem Parteifreund Ilhan Omar aus Minnesota, der ebenfalls Muslim ist und dem Abgeordneten Keith Ellison nachfolgen will. Loomer rief, die beiden Kandidaten seien „Dschihadis“, Dschihadisten.

Republikanische Kritiker werfen Tlaib vor, israelfeindlich eingestellt zu sein. So wird sie von Linda Sarsour unterstützt, einer bekannten Aktivistin und Organisatorin der Frauenmärsche gegen die Trump-Regierung. Sarsour äußerte sich immer wieder auf kontroverse Weise gegen die israelische Politik. Tlaibs jüngste Tweets interpretierte etwa das rechte Magazin „Breitbart“ in diese Richtung. Als die Hamas gerade Raketen auf Israel abfeuerte, twitterte Tlaib: „In Detroit aufzuwachsen hat mich gelehrt, nicht daneben zu stehen, wenn die Rechte meines Volkes verletzt werden. Meine Wurzeln als palästinensische Amerikanerin sind stark und wichtig. Ich glaube daran, dass jeder Mensch es verdient, in Würde zu leben.“

Sie schrieb auch: „Wir können nicht zulassen, dass amerikanische Finanzhilfe dazu benutzt wird, die Rechte von Menschen zu verletzen, gleich welcher Ethnie oder Nationalität sie sind. Ich werde nicht zulassen, dass Ungerechtigkeit finanziert oder geduldet wird.“ Tlaibs Unterstützer verteidigten sie gegen die Kritik von rechts: Eine amerikanische Palästinenserin könne Israel kritisieren, ohne dass dies gleich mit Hass auf das Land gleichzusetzen sei.

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