Sayyid Nasrullah über seine Beziehung zu Ayatullah Bahdschat

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  • Source : offenkundiges.de
Brief

Folgendes Interview des Generalsekretärs der Hisbullah, Sayyid Hassan Nasrullah, wurde am Samstag den 2. April 2016 von Al-Manar ausgestrahlt. Bei der hier vorliegenden Übersetzung handelt es sich um eine Zusammenfassung.

Folgendes Interview des Generalsekretärs der Hisbullah, Sayyid Hassan Nasrullah, wurde am Samstag den 2. April 2016 von Al-Manar ausgestrahlt. Bei der hier vorliegenden Übersetzung handelt es sich um eine Zusammenfassung.

Eine vollständige Version der Übersetzung findet man hier: http://www.shia-forum.de/index.php?/topic/68846-das-einzigartige-interview-mit-sayyed-nasrallah-uber-sheikh-bahjat/

Sayyid Nasrullah spricht in dem Interview über seine Beziehung zu Ayatullah al-Uzma Scheich Taqi Bahdschat, möge sein Vermächtnis geheiligt sein, und über die Bindung der Hisbullah zu diesem großen und außergewöhnlichen Gelehrten. Insbesondere erzählt er, wann und wie er den Scheich kennenlernte, welche Wunder er mit ihm erlebte, und was für Botschaften Ayatullah Bahdschat ihm übermittelte. Sayyid Nasrullah erläutert seine Sicht über die Wichtigkeit des Irfan (Lehre der Gotteserkenntnis) und spricht außerdem über die Notwendigkeit der Begegnungen bestimmter Persönlichkeiten mit dem zwölften Imam in der Zeit der großen Verborgenheit.

JOURNALIST: Wann und wie haben Sie Scheich Bahdschat kennengelernt?

SAYYID NASRULLAH: Das war circa 1985. Wir reisten damals als Delegationen in den Iran, ich war 25 oder 26 Jahre alt. Wir trafen stets verschiedene Verantwortliche, besprachen mit ihnen die Lage im Libanon, in der Region, und insbesondere den aktuellen Stand des Widerstandes. Bei unserer ersten Reise sagten wir unseren Gastgebern, dass wir gerne die heilige Stadt Qum besuchen wollten. Man sagte uns: Wenn ihr nach Qum reist, dann solltet ihr auf jeden Fall Ayatullah al-Uzma, seine Eminenz Scheich Bahdschat, treffen.

Beim ersten Mal war ich der Jüngste unserer Delegation, der Märtyrer Sayyid Abbas al-Musawi war ebenfalls dabei. Bei diesem ersten Treffen fühlte ich die starke Ausstrahlung des Scheichs. Jeder von uns hatte einige Fragen vorbereitet, aber als wir bei ihm waren, vergaßen wir sie alle. Die meiste Zeit war er ruhig und schaute uns an, aber wir waren nicht in der Lage, ihn anzuschauen. Einer von uns bat um einige Hinweise. Er gab uns die Hinweise, die nun auch in dem Buch „Al-Kitab al-Nasih“ (neues arabischsprachiges Werk über Ayatullah Bahdschat) niedergelegt sind: „Handelt nach dem, was ihr wisst, meidet Sünden, verrichtet das Gebet zu seinem frühesten Zeitpunkt, sendet viele Segnungsgrüße an den Propheten Muhammad und seine Ahlulbayt (Salawat) und bittet stets um Vergebung (Istighfar).“ Diese Ratschläge wiederholte er in folgenden Audienzen.

Wir reisten offiziell einmal im Jahr oder alle zwei Jahre in den Iran, und hatten uns auferlegt, bei jedem Besuch der heiligen Stadt Qum auch Scheich Bahdschat zu besuchen. Und sofern er in Qum war, gab es bei den meisten Besuchen eine Audienz beim Scheich.

JOURNALIST: Was hat zu dieser Bindung mit Scheich Bahdschat geführt? Was hat Sie ihn lieben lassen und wie hat er diese Liebe erwidert?

SAYYID NASRULLAH: An dieser Stelle müssen wir über einen historischen Umstand sprechen. Die Themenbereiche „Irfan“ (Lehre der Gotteserkenntnis), „Sayr“ (Reise zu Allah) und „Suluk“ (spiritueller Weg), also diese spirituellen Dimensionen, waren unter libanesischen Theologiestudenten nicht verbreitet. Die meisten studierten in Nadschaf (Irak) in arabischer Sprache. Nur wenige von ihnen hatten Kontakt zu Iranern bzw. Lehren, die in Persisch unterrichteten. Der Schwerpunkt lag bei den meisten in Fiqh, Usul, Hadithwissenschaft, Tafsir u.a., aber nicht in Irfan, Sayr, Suluk oder Philosophie. Im Allgemeinen waren libanesische Studenten fern hiervon.

Nach dem Sieg der Islamischen Revolution im Iran und dem „Sonnenaufgang“ Imam Chomeinis änderte sich dies. Wir alle waren beeindruckt von dieser Persönlichkeit. Die Beziehung zwischen den Gläubigen und Imam Chomeini war eine direkte Beziehung, ohne Mittelsperson, deswegen spreche ich von „Sonnenaufgang des Imams“, weil es zwischen dem Menschen und der Sonne auch keinen Vermittler gibt. Imam Chomeini war auf dem Weg des Irfan – er war ein großer Erkennender, er hat viele Werke zu Ethik, Moral, Irfan usw. verfasst. Aufgrund der Liebe zum Imam liebten wir nun diesen Weg.

Wenn wir im Iran waren, fragten wir nach einer solchen erkennenden, reinen und vertrauenswürdigen Persönlichkeit – in dieser Zeit gab es leider einige, die von sich bestimmte Fähigkeiten und Erkenntnisse behaupteten, die nicht der Wahrheit entsprachen, was sehr gefährlich ist, zumal es um Jenseits, dein Schicksal, deine Beziehung zu Allah geht, und jeder noch so kleine Fehler fatale Folgen für einen selbst haben kann. Man muss jemanden finden, der direkt zu Allah leitet, ohne jegliche Umwege oder Seltsamkeiten. Wir kannten so jemanden nicht. Einige Imam Chomeini nahe stehende Personen rieten uns, Scheich Bahdschat aufzusuchen, der nicht so war wie manche „Religionshändler“. Und dies erwies sich als richtig, das bemerkten wir bereits im ersten Treffen: Wir spürten alle, wie er unsere Herzen und Seelen einfing.

JOURNALIST: Was sind die Gründe dafür, dass sich Scheich Bahdschat mit Ihnen so wohl fühlte und sich speziell auch um Sie kümmerte?

SAYYID NASRULLAH: Hierzu kann ich nichts Konkretes sagen. Es war natürlich eine große Ehre für uns. Vor dem ersten Treffen kannte er uns nicht, auch nicht unsere Namen. Wir wurden ihm vorgestellt als Personen aus dem Libanon, die dort gegen den israelischen Feind kämpften. Ich denke, dass er uns aufgrund dieser Beschreibung annahm und uns deswegen wohlgesinnt war. Er nahm sich immer viel Zeit für uns und zeigte uns gegenüber viel Liebe. Mancher Gastgeber gibt einem indirekte Andeutungen, dass man gehen solle. Scheich Bahdschat verhielt sich uns gegenüber nie so. Wir hatten immer private Audienzen mit ihm; er erlaubte niemandem, während dieser Audienzen einzutreten.

JOURNALIST: Wie würden Sie den Einfluss von Scheich Bahdschat auf Sie beschreiben?

SAYYID NASRULLAH: Wir waren alle sehr durstig nach diesem Wissen. Natürlich haben wir viel gelesen, aber wenn man jemanden in der Wirklichkeit trifft, der genau das vorlebt, ist das etwas anderes, vor allem wenn man davon ausgeht, dass es ein vollkommener Mensch ist, der Wissen und Erfahrung hat, der diesen Weg gegangen ist. Jedes Wort, das wir von ihm vernahmen, füllte eine Lücke. Wir fühlten uns nach jedem Treffen für längere Zeit sehr wohl. Wir haben unser Gottvertrauen stärken können, die Festigkeit unseres Glaubens. Das war eines seiner wichtigsten Merkmale. Die Treffen mit ihm wirkten sich auch auf unsere Arbeit aus. Sie stärkten vor allem unser Gottvertrauen. Er erläuterte das immer sehr einfach. Er war einer unserer Hauptbezugspersonen.

JOURNALIST: Hatte der Scheich einen speziellen Einfluss auf die Hisbullah?

SAYYID NASRULLAH: Alle Führungspersönlichkeiten der Hisbullah waren bei ihm, aber niemand von unseren Kämpfern. Weder seine Zeit noch seine persönlichen Umstände hätten dies erlaubt. Was wir aber von ihm hörten und lernten, gaben wir stets an unsere Kader weiter, auch das, was libanesische Studenten in Qum an uns übermittelten. Er war für uns ein geistiger Vater. Sogar der Führer der Muslime, der Waliy-ul-Amr, suchte ihn regelmäßig auf. Wenn er dies tat, warum dann nicht auch wir?

JOURNALIST: Was lernten Sie konkret von ihm?

SAYYID NASRULLAH: Er gab uns stets persönliche Ratschläge, wenn wir dies erfragten. Wir versuchten auch immer, einen kurzen Bericht über die Lage im Libanon und über die Lage der Gläubigen zu geben. Er hörte immer sehr genau zu. Auch hierzu gab er stets Ratschläge. Sie waren immer sehr ähnlich: Er riet uns stets, an unserem Glauben zu arbeiten, uns spirituell weiterzuentwickeln, auch weiterzulernen. Auch in finanzieller Hinsicht gab er Ratschläge, z.B. immer Rücklagen für schwierige Zeiten zu bilden. Ich persönlich kann zwar nicht direkt weiterstudieren, ich versuche aber stets, zu lesen, klassische wie neuere Werke. Und dank der modernen Medien kann ich mir Unterrichtseinheiten zum Bahth-ul-Chardisch (Fortgeschrittenen/Experten-Studium an der religiösen Hochschule) von Imam Chamene’i und anderen großen Gelehrten anhören.

JOURNALIST: Es wurde verbreitet, dass Scheich Bahdschat Ihnen zwei wichtige Botschaften übersandte. Welche waren das?

SAYYID NASRULLAH: Ja, eine dieser Botschaften erhielt ich einige Monate vor dem Juli-Krieg (2006). Ein libanesischer Student aus Qum überbrachte sie mir über mehrere Personen. Der Scheich wies mich in der Botschaft an, täglich dreimal morgens und dreimal abends folgendes Bittgebet zu rezitieren: „Allah unser, umgebe mich mit deinem schützenden Schild, womit Du nur umgibst, wen Du willst.“

Auf Nachfrage konnte der Student keinen Grund für diese Botschaft nennen. Ich habe es als Bittgebet für meine persönliche Sicherheit gewertet. Wie Sie wissen, war auch damals die Sicherheitslage sehr schwierig, und wir hatten ja schon Erfahrungen damit gemacht, bei Sayyid Abbas al-Musawi und anderen.

Aber nur wenige Monate nach dieser Botschaft begann der Krieg, und die Israelis versuchten vom ersten Tag an, mich zu töten. Manche heftige Angriffe auf Südbeirut geschahen nur, weil die Israelis mich an diesem oder jenem Ort vermuteten. Ich verstand damals im Krieg, dass sich das Bittgebet wohl hierauf bezog. Die ganze Welt stellte sich gegen uns, auch Araber, sogar im eigenen Land. Wir waren sehr isoliert. Es war in den ersten Tag nicht leicht, von einem Sieg o.ä. zu sprechen.

Die zweite Botschaft erhielt ich von Scheich Bahdschat in der ersten Kriegswoche. Darin hieß es, dass wir beruhigt sein könnten, und uns nicht sorgen sollten, denn wir würden inschallah siegreich sein – und das in einer Situation, die sehr schwierig war. Auch Imam Chamene’i sandte mir damals eine Botschaft, in der es hieß, dass dieser Krieg der Schlacht der Parteien (Ahzab) ähnelte und die Herzen in diesem Krieg die Kehlen erreichen würden, wir aber am Ende siegreich hervorgehen und zu einer regionalen Macht würden. Diese beiden Botschaften stärkten uns innerlich immens, sie waren enorm wichtig für uns. Eine Botschaft von unserem Waliy-ul-Amr und eine Botschaft von unserem geistigen Vater. Wir waren hiernach den gesamten Krieg über zuversichtlich.

JOURNALIST: Nach dem Martyrium von Sayyid Hadi (Sohn Sayyid Nasrullahs) sandte Scheich Bahdschat Ihnen auch eine Botschaft.

SAYYID NASRULLAH: Ja, aber den genauen Inhalt erinnere ich nicht mehr. Wir waren damals alle sehr beschäftigt und unter Druck. Als ich später in Qum bei ihm war, bedankte ich mich für seine Fürsorge.

JOURNALIST: Als sie von seinem Tod erfuhren, wie war das für Sie?

SAYYID NASRULLAH: Das war ein großer Verlust für uns. Wir haben mit ihm eine reine Quelle verloren. Allein seine Existenz war überaus wichtig für uns, aber wir sind der Überzeugung, dass sein Bittgebet für uns im Jenseits nicht abgebrochen wurde.

JOURNALIST: Haben Sie eine persönliche Segnung (Wunder) von ihm gesehen? Wenn ja, was genau?

SAYYID NASRULLAH: Ja, es waren zwei an der Zahl. Beide Male hatte es mit Istichara zu tun.

Die erste „Karama“ ist sehr persönlich. Damals, 1989, nach dem Ableben Imam Chomeinis, hatten wir keinen Generalsekretär, keinen Vorsitzenden, nur eine Schura. Imam Chamene’i sagte uns, dass die Hisbullah sich auch in dieser Hinsicht weiterentwickeln müsse. Er riet uns, das Amt des Generalsekretärs einzurichten. Ich muss dazu sagen, dass der Generalsekretär kein alleiniger Führer ist, er ist viel mehr so etwas wie ein Direktor, das Gesicht der Organisation. Wir nahmen den Ratschlag des Imams an. Jetzt ging es darum, dass jemand Bekanntes dieses Amt übernehmen musste. Die Führungsriege wollte mehrheitlich, dass ich dieses Amt übernahm, darunter auch Sayyid Abbas al-Musawi. Sie bestanden darauf, dass ich das machte. Ich lehnte vehement ab: Ich war der Jüngste, und einige von ihnen waren meine Lehrer. Ich teilte ihnen auch meine Sorge mit, dass ich am Ende alles alleine tragen müsste, sie aber versprachen mir, dass sie mich unterstützen würden. Wir diskutierten mehrere Stunden hierüber. Schließlich schlug ich vor, dass wir eine Istichara machen könnten. Sie stimmten zu und wollten schon den Qur’an aufschlagen, das lehnte ich aber ab. Sie dachten zunächst, ich wolle die Istichara selber durchführen, aber auch das lehnte ich aufgrund der Wichtigkeit der Thematik ab. Ich sagte ihnen, dass ich eine Istichara von Scheich Bahdschat vornehmen lassen würde.

So rief ich einen Freund in Qum an, der am nächsten Morgen zum Gemeinschaftsgebet mit Scheich Bahdschat gehen würde, und bat ihn, für mich eine Istichara vornehmen zu lassen. Ich sagte ihm aber nicht, worum es ging. Scheich Bahdschat nahm die Istichara vor und ließ mir Folgendes ausrichten: „Nimm das nicht an, was sie dir anbieten. Und einige, die es dir versprechen, werden ihr Versprechen nicht einhalten.“ Das hörte sich so an, als ob er bei unserem Gespräch dabei gewesen wäre. Ich hatte kein einziges Wort über das Thema der Istichara weitergegeben. Ich erzählte den anderen hiervon und sie waren alle sehr erstaunt. In der folgenden Zeit zeigte mir alles, was um uns herum und im Libanon geschah, dass diese Istichara absolut richtig gewesen ist.

Die zweite Geschichte betrifft einen befreundeten Gelehrten, der von Istichara nicht so viel hielt. Wir gingen einmal zu Scheich Bahdschat und er kam mit. Am Ende der Audienz beim Scheich bat er ihn um eine Istichara, ohne das Anliegen oder irgendwelche Aspekte davon zu nennen. Der Scheich sprach ein paar Worte und schlug den Qur’an auf. Er sagte dem Fragenden: „Gehe nicht dorthin, wo du hingehen möchtest. Sie werden dich nicht lange ertragen. Reise nicht dort hin.“

Der Fragende errötete und war überrascht. Danach fragte ich ihn, was da passiert war. Er sagte: „Allahu akbar, allahu akbar, das ist unglaublich. Ich wollte in ein bestimmtes Land im Westen zu meinen Verwandten reisen, um den Monat Ramadan dort zu verbringen und dort zu predigen. Aber ich war nicht sicher, ob sie mich eine so lange Zeit ertragen würden. Deswegen wusste ich nicht, ob ich reisen sollte oder nicht. Scheich Bahdschat hat in mein Herz geschaut.

JOURNALIST: Was unterscheidet Scheich Bahdschat von anderen Gelehrten?

SAYYID NASRULLAH: Alles, was wir von ihm hörten, kam immer direkt aus dem Qur’an oder der Sunna. Er entnahm alles den Lehren des Propheten und der Ahlulbayt. Er bezog sich nicht auf irgendwelche Philosophen o.ä. In seinen Lehren war nichts Verdächtiges oder Seltsames. Er war klar, deutlich und unkompliziert. Alles war sehr einfach bei ihm, er nahm dich an die Hand und zeigte dir den Weg zu Allah. Er sagte einfach immer: Tue dies oder jenes. Jeder kann das verstehen, sowohl hohe Gelehrte als auch einfache Leute. Dies kann man auch in dem neuen Buch „Al-Kitab al-Nasih“ nachlesen. Seine Lehren sind nicht schwer, man muss nur einen starken Willen, Entschlossenheit und Kontinuität besitzen. Er war eine Schule für alle, nicht nur für die Elite oder für Hauza-Studenten.

JOURNALIST: Es ist bekannt, dass Scheich Bahdschat hohe Stufen erreichte: Imam Chomeini sagte, dass Scheich Bahdschat den freiwilligen Tod besäße, Imam Chamene’i u.a. bezeugen seine Wunder. Wie hat er das erreicht?

SAYYID NASRULLAH: Ich bin schwächer und kleiner, als dass ich eine solche Frage beantworten könnte.

JOURNALIST: Ayatullah Misbah Yazdi berichtete sehr ausführlich, dass Imam Chomeini und Imam Chamene’i den Scheich regelmäßig besuchten und ihn sogar in großen politischen Fragen um Rat bäten. Wie beschreiben sie diese Bindung?

SAYYID NASRULLAH: Diese Bindung ist bekannt. Es kommt nach und nach mehr an die Öffentlichkeit, was zuvor geheim war. Es ist ein Beweis für das hohe Ansehen, das Scheich Bahdschat bei Imam Chomeini und Imam Chamene’i genoss.

JOURNALIST: Wie beschreiben sie die Bindung von Scheich Bahdschat zur Gesellschaft, da es doch für hohe spirituelle Menschen üblich ist, zurückgezogener zu leben?

SAYYID NASRULLAH: Das war eine seiner Besonderheiten: Er lebte nicht zurückgezogen, er behielt seine Erkenntnisse nicht für sich, sondern gab sein Wissen weiter. Alle kamen zu ihm und fragten ihn, Jüngere wie Ältere, und er antwortete allen geduldig, trotz seines fortgeschrittenen Alters. Er liebte die Menschen, und dies beruhte auf Gegenseitigkeit. Viele liebten ihn, ohne ihn jemals getroffen zu haben. Man hätte denken können, dass er bei vielen Geschehnissen nicht beteiligt gewesen ist, aber die Zeit wird sicher zeigen, dass er näher dabei war als gedacht, und dass sogar manche Ergebnisse aufgrund seines Wirkens zustande kamen.

JOURNALIST: Was sagen Sie zur Rolle des Irfans im Hinblick auf den Widerstandskampf?

SAYYID NASRULLAH: Ohne Spiritualität gäbe es keinen solchen Widerstand. Als die Israelis im Jahr 1982 in den Libanon einmarschierten und bis Beirut vordrangen, war die Lage sehr schwer. Iran befand sich mitten im aufgezwungenen Krieg gegen den Irak. Ich erinnere mich, dass die Israelis kurz nach der Befreiung von Choramschahr in den Libanon einmarschierten. 100.000 israelische Soldaten, unterstützt von den USA, Großbritannien und dem Rest der (westlichen und teils arabischen) Welt. Dagegen standen wenige hundert Widerstandskämpfer. Wie kann diese kleine Gruppe einen solchen großen Feind besiegen? Die meisten von ihnen besaßen einen festen Glauben. Sie betrachteten es als eine religiöse Pflicht; sie waren überzeugt, dass wenn sie nicht kämpfen würden, sie hierfür hätten Rechenschaft ablegen müssen. Das war der spirituelle Hintergrund. Sie waren Menschen des Jenseits, Menschen Gottes. Andere sagten über sie, dass sie verrückt seien. Damals antworteten die Kämpfer mit den Worten von Abis, einem Gefährten Imam Husseins in Karbala: „Die Liebe zu Hussein machte mich verrückt.“

In den ersten Wochen nach der Besatzung ging eine Delegation zu Imam Chomeini und fragte ihn, was zu tun sei. Imam Chomeini sagte, dass sie kämpfen sollten, trotz der zahlenmäßigen Unterlegenheit. Sie sollten auf Allah vertrauen: „Und Allah wird euch zum Sieg verhelfen, der Sieg ist euch auf die Stirn geschrieben. Ihr seid nicht für die Ergebnisse verantwortlich, diese liegen in Allahs Hand.“ Das war der Beginn. Imam Chomeini redete von einem Sieg, 18 Jahre, bevor dieser Wirklichkeit wurde. Viele von den damaligen Kämpfern sind schon Märtyrer, andere leben noch, obwohl sie niemals erwartet hatten, dass sie noch weitere 20, 30 Jahre leben würden. Es war alles göttlich. Auch wenn man die Testamente der Märtyrer liest, erkennt man göttliche Erkenntnisse, obwohl es sich bei fast allen nicht um Hauza-Studenten oder Gelehrte handelte.

JOURNALIST: Was sagen sie zur Wichtigkeit des Irfan bei den Gelehrten?

SAYYID NASRULLAH: Unsere Hauzas im Libanon legten hierauf keinen Wert, mehr noch: Es war sowohl im Libanon als auch im Irak verboten und wurde an den Hauzas bekämpft. Im Iran war dies anders. Ich halte dieses Thema für sehr wichtig, noch verpflichtender sogar als Fiqh, Usul usw. Die Kenntnisse in diesen Bereichen haben keinen Wert ohne Gottesehrfurcht und Spiritualität – sie sind sogar sehr gefährlich. Man kann das mit jemandem vergleichen, dem man die Funktion und Nutzen einer Waffe lehrt, ihn aber keine Werte lehrt und nicht lehrt, dass man eine Waffe nur in bestimmten Fällen einsetzen darf. Was macht so jemand mit seinen Kenntnissen? Er richtet Massaker an. So ist es mit dem Verhältnis von Irfan zu den anderen Lehren.
JOURNALIST: Es wird von vielen Wundern (Karamat) von Scheich Bahdschat erzählt, auch von besonderen Menschen, z.B. Imam Chomeini und Imam Chamene’i – was war aus Ihrer Sicht das größte Wunder?

SAYYID NASRULLAH: Das Beleben des Geistes in den Menschen. Es wird von Menschen erzählt, die tote Bäume durch Überstreichen zum Leben erwecken und wieder wachsen und blühen lassen. Aber ein Baum ist im Gegensatz zum menschlichen Geist sehr simpel. Der Geist eines Menschen ist sehr kompliziert und schwierig greifbar, insbesondere, wenn er in Fesseln von Satanen und Dschinn liegt. Scheich Bahdschat konnte verlorene Seelen wiederbeleben, und das in einer Zeit und in einer Welt, in der es für Gläubige, die an ihrer Religion festhalten, so ist, als ob sie glühende Kohle in ihren Händen hielten (dies ist eine bekannte Überlieferung). Es gibt viele Berichte von Menschen, die bei Scheich Bahdschat waren und nach nur einem Treffen ihr Leben komplett und nachhaltig änderten.

JOURNALIST: Wie interpretieren Sie die Bindung vom Scheich zu Imam Mahdi?

SAYYID NASRULLAH: Ich habe nur davon gehört. Ich habe ihn nicht direkt gefragt, zumal ich das auch als sehr privat betrachtete. Ich wollte ihn nicht bedrängen, da er möglicherweise zu einer bestimmten Antwort gezwungen gewesen wäre. Das wollte ich nicht. Aber was ich hörte, das glaube ich auch, weil ich das von vertrauenswürdigen Personen hörte. Außerdem ist ein Scheich Bahdschat aus meiner Sicht nicht weniger spirituell als andere hohe Gelehrte in der Geschichte, von denen ebenfalls berichtet wird, dass sie den zwölften Imam trafen. Es ist logisch, dass Menschen, die sich auf solchen Stufen befinden, eine derartige Ehre erhalten, zumal dies auch zu ihrer erzieherischen Aufgabe gehört.

Ich glaube auch noch Weiteres: In der gesamten großen Verborgenheit gibt es ein großes Bedürfnis für Treffen mit dem Imam, um die Ideologie der Schia Imamiyya zu schützen, da es mit immer größerem Zeitverlauf dazu kommen kann, und auch bereits geschah, dass Leute Zweifel säen und sagen, dass es keinen zwölften Imam gäbe oder dass er verstorben sei.

Natürlich: Auf wissenschaftlicher Ebene kann man seine Existenz nachweisen, aber das reicht nicht, und auch das kann angegriffen werden; das seien nur Theorien usw. Ich glaube, weil es so wichtig ist, dass die Ideologie und der Glaube geschützt werden, ist es notwendig, dass einige Persönlichkeiten den zwölften Imam treffen, und das widerspricht auch nicht der Theorie der großen Verborgenheit. In jeder Generation muss es solche Menschen geben. Es gibt heute einige, die solche Treffen anzweifeln und sagen, dass das nicht möglich oder dass dies gar Schwachsinn sei. Ich sehe das nicht so. Gerade in unserer Zeit ist es von besonderer Bedeutung, dass es solche Begegnungen gibt. Im Übrigen entscheidet der zwölfte Imam, wen er trifft, und nicht die Person, die ihn trifft. Auch hatten die Berichte über Treffen von Scheich Bahdschat mit dem zwölften Imam eine wichtige Wirkung auf solche, die bereits an der Existenz des zwölften Imams zweifelten, obwohl sie auf wissenschaftlicher Ebene von seiner Existenz überzeugt waren.

JOURNALIST: Es wird von Scheich Bahdschat berichtet, dass er den Älteren noch vor den Jüngeren versprach, dass sie die Rückkehr des zwölften Imams sehen würden.

SAYYID NASRULLAH: Bei den ersten Treffen fragten wir, ob die Rückkehr nah sei. Der Scheich gab uns Hoffnung, aber nur unkonkret, er nannte keine Zeitspanne. Eine vertrauenswürdige Person sagte mir einmal, sie habe vom Scheich gehört, dass dieser gesagt habe, dass der zwölfte Imam im Jahr 1997 zurückkehren würde (umgerechnet in den gregorianischen Kalender). Das war für mich unmöglich, aber er versicherte mir, dass er dies so gehört habe. Beim darauffolgenden Treffen mit dem Scheich fragte ich ihn hiernach, das war 1996. Der Scheich wurde hierauf sehr sauer und verärgert, und bat Gott um Vergebung. Er sagte, dass er so etwas niemals gesagt habe, und auch niemals sagen würde. Und wer so etwas von ihm behaupte, der lüge.

JOURNALIST: Es ist bekannt, dass Scheich Bahdschat bereits in jungen Jahren sehr weit fortgeschritten in seinem Idschtihad und seiner Meistwissenheit war.

SAYYID NASRULLAH: Ich habe hierüber kein spezielles Wissen, lediglich Berichte. Im Übrigen bin ich nicht die geeignete Person, um dies zu beurteilen.

JOURNALIST: Was raten sie, um die Lehren von Scheich Bahdschat zu lernen, insbesondere den Jugendlichen?

SAYYID NASRULLAH: Ich kann nur raten, den Scheich kennenzulernen und sein Leben und Wirken zu studieren, sich mit seinen Ratschlägen zu befassen. Das ist das Beste. Die jungen Menschen sind durstig nach diesem Wissen, das zeigt auch die Tatsache, dass die erste Auflage des neuen Werks „Al-Kitab al-Nasih“, das von Nahestehenden des Scheichs über ihn verfasst wurde, bereits nach kurzer Zeit im Libanon ausverkauft war. Das ist ein sehr wichtiges Buch. Solche Bücher sind im Allgemeinen sehr wichtig, zumal es sich um ein Vorbild aus der eigenen Zeit handelt. Alles, was man für diesen Weg braucht, findet man beim Scheich.

JOURNALIST: Was raten sie generell, um seine Lehren zu verbreiten, auch den islamischen Medien?

SAYYID NASRULLAH: Ich sehe mich diesbezüglich auch in der Verantwortung. Wir werden inschallah alles tun, um diese Persönlichkeit bekannt zu machen.


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